Juli/August 2013

Titelblatt

S. 24
Die Sonntagspflicht – Was die Kirche verlangen darf

Abtprimas Notker Wolf kritisierte jüngst die kirchliche Sonntagspflicht. Wie zur Zeit der ersten Christen müsse der Impuls zum regelmäßigen Besuch
des Sonntagsgottesdienstes „doch aus dem Herzen kommen“. Das von der Kirche eingeführte Gebot bezeichnete der ranghöchste Benediktiner sogar
als „Entwürdigung des Sonntags“. Die Entwicklung zur juristischen Fixierung der Sonntagspflicht bedeute eine „große Tragik“ und einen „Abstieg“. Dieser
Einschätzung ist energisch zu widersprechen. Bereits im Hebräerbrief werden die Gläubigen deutlich aufgefordert, nicht den sonntäglichen Zusammenkünften fernzubleiben, „wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist“ (Hebr 10,25). Mit Recht erwähnt der Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2178) diese Bibelstelle, bevor er ab Nr. 2180 auf die Sonntagspflicht zu sprechen kommt. Papst Johannes Paul II. hielt in seinem Apostolischen Schreiben
Dies Domini vom 31. Mai 1998 (Nr. 46) zur christlichen Frühzeit fest: „Da die Eucharistie das Herz des Sonntags ist, versteht man, daß seit den ersten
Jahrhunderten die Bischöfe nicht aufgehört haben, ihre Gläubigen an die Notwendigkeit der Teilnahme an der liturgischen Versammlung zu erinnern.“
Während der Diokletianischen Verfolgung waren viele Christen bereit, für diese Teilnahme an der sonntäglichen Liturgie ihr Leben hinzugeben. Als dann der Eifer mancher Jünger des Herrn nachließ, ja Lauheit sich verbreitete, wurden immer wieder entsprechende Mahnungen ausgesprochen. Wenn
diese nicht fruchteten, verhängten die Bischöfe schon sehr früh Sanktionen. Hier liegt also kein Bruch mit dem Geist „der ersten Christen“, sondern eine logische Entwicklungslinie vor, die schließlich in die Bestimmung des kirchlichen Rechtsbuchs einmündete.

S. 16
Der Teufel als Engel des Lichts – Wie ein leichtfertiger Glaube an himmlische Botschaften die Reinheit des Glaubens gefährdet

Der bedeutendste Lehrer der Mystik in der Kirchengeschichte, der hl. Johannes vom Kreuz, warnt eindringlich vor den großen Gefahren, die es mit sich bringt, wenn man sogenannten Privatoffenbarungen ohne eingehende Prüfung Glauben schenkt. Die Reinheit des Glaubens sei gefährdet. Dieser Artikel will die katholische Art, mit angeblich himmlischen Botschaften umzugehen, aufzeigen.
Auch in Zeiten wie den unsrigen, wo die kirchliche Autorität in einer tiefen Krise steckt, haben wir die nötige Sicherheit, wenn wir an dem festhalten, was immer und überall in der Kirche geglaubt wurde. Wir finden es in jedem vorkonziliaren von der Kirche approbierten Katechismus. 2000 Jahre Tradition können nicht irren. Die von Gott geoffenbarten Wahrheiten unseres Glaubens sind unveränderlich, auch wenn eine untreue Verwaltung des kirchlichen Lehramtes diese Unveränderlichkeit heute allenthalben in Frage stellt.

S. 34
Donoso Cortés und die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts – Ein großer Zeuge für den Glanz und die Wahrheit der Kirche Gottes

Nicht lange Zeit nach Pius XII., der immer wieder hervorgehoben hatte, wie schön und ehrenhaft es sei, der katholischen Kirche anzugehören, begann man sich zu entschuldigen. Und der Bitten um Nachsicht für die eigene Existenz ist seitdem kein Ende. Unter diesen Umständen ist es ein großer Trost, daß es auch außerhalb des Kreises der Heiligen große und mitten im Leben stehende Bekennergestalten gibt, die uns heute in dem Bewußtsein bestärken können, daß es stolz und ehrenvoll ist, der katholischen Kirche anzugehören und daß der Lobpreis ihrer Herrlichkeit kein Zeichen unzeitgemäßen „Triumphalismus“ ist. Zu ihnen ist ganz zweifellos Juan Donoso Cortés (1809-1853), einer der bedeutendsten Geschichtsphilosophen und politischen Denker der Neuzeit, zu rechnen. Es ist klar, was der große Spanier zu jenen beflissenen kirchlichen Vergangenheitsbewältigern sagen würde, die heute mit so unnatürlichem Eifer ihrer Beschäftigung nachgehen, das eigene Nest zu verunreinigen, ohne damit bei den Liberalen die ersehnten Sympathien zu wecken.

S. 40
Ein merkwürdiges Vorurteil: Die Muslime als Lehrer Europas?

Die Aufklärung glaubte im Islam eine quasi aufgeklärte deistische Vernunftreligion der Toleranz und Humanität zu erkennen, ohne Kirche, Klerus, Inquisition, Bücherverbrennungen und Autodafés. Die muslimische Welt diente Autoren wie Pierre Bayle, Edward Gibbon, Montesquieu, Voltaire oder Lessing als Mittel der Beschämung und Kritik des christlichen, insbesondere katholischen, Europas. Im Lobpreis der islamischen Kultur und ihrer Bedeutung für das Abendland geht schließlich Herder soweit, daß er sie „zur Wiege Europas“ erklärt: Die Araber seien „die Lehrer Europas“ gewesen, die das „helle Licht“ ihrer Kultur in die „Dunkelheit“ des europäischen Kontinents getragen hätten. Unter den Gebildeten wird es nun nahezu obligatorisch, der christlichen Kultur die muslimische vorzuziehen, ein Gestus, der sich in den letzten Jahren in der westlichen Welt offenbar noch verstärkt hat.
Jedoch: Alte Verdikte sind falsch! Kein Zeitalter ist von seinen Nachfahren so zu Unrecht verurteilt, ja verdammt worden wie das Mittelalter. Die, welche die Aufklärung als barbarischen Kontrast zur glanzvollen“ arabisch-islamischen Kultur befunden und als minderwertig verworfen hatten, kannten vom Mittelalter nicht nur nichts, sondern wollten von ihm auch gar nichts wissen.

S. 4
Ungehörte Warnung

Papst Pius X. hat in seinem Rundschreiben Pascendi über den Modernismus diesen als „das Sammelbecken aller Häresien“ bezeichnet. Und in der Tat, wenn wir auf die Kirche des Altertums zurückblicken, so sehen wir jene Irrlehren von damals in neuem Gewand erstehen.
Eigenartig, wie diese Irrlehren wieder virulent werden. Und der Grund? Es ist die Flucht vor dem Mysterium in die Selbstmächtigkeit des Menschen mit seiner ratio, für die die arianische Lösung des Christusgeheimnisses einleuchtend, weil verständlich ist; es ist das stolze Pochen auf die Willenskraft des Menschen, der alles vermag, was er will, und sich nicht gängeln lassen muß von gnadenhaften übernatürlichen Kraftströmen. Das alles ist vermischt mit einer Art Gnosis, die in einer ihrer Richtungen das junge Christentum in die Welt zu integrieren suchte, also ein aggiornamento damals schon bewerkstelligen wollte.

S. 4
Kirche und Welt

Neues ziviles Strafrecht im Vatikan: Mit einem Motu proprio (lat. „aus eigenem Antrieb“), einem von ihm selbst unterschriebenen Brief, (da Reform erst im September in Kraft tritt) hat der Heilige Vater eine Reform des Strafrechts im Vatikanstaat lanciert.

Humanitäre und liturgische Gleichgültigkeit: Nur wenige Stunden dauerte der als „Privatbesuch“ deklarierte Aufenthalt des Papstes am 8. Juli in Lampedusa.

Erste Enzyklika des Papstes über den Glauben: Am Festtag der Apostelfürsten Petrus und Paulus unterzeichnete Papst Franziskus seine erste Enzyklika. Das Thema liegt in den lateinischen Anfangsworten: „Lumen fidei“ – „Das Licht des Glaubens“.

Irland - Zivilisation des Todes: Die Zivilisation des Todes hat jetzt auch Irland im Würgegriff. Das Land, das sich in seiner Verfassung zur allerheiligsten Dreifaltigkeit und Jesus Christus als seinem göttlichen Meister bekennt, hat dem „Menschenmörder von Anbeginn“ die Tür aufgemacht. Das strikte Abtreibungsverbot wurde vom Dáil, dem irischen Unterhaus, aufgehoben.

S. 7
Bevorstehende Heiligsprechungen – Ein Kommentar

Die angekündigte Heiligsprechung von zwei „Konzilspäpsten“ – Johannes XXIII. und Johannes Paul II. – hat bei traditionstreuen Katholiken schwere Bedenken hervorgerufen. Die „Eiligsprechung“ ist zu offensichtlich ein politisches Signal. Ohne die Öffnung der vielen kirchlichen und staatlichen Archive abzuwarten, sind Prozesse durchgepeitscht worden, die eine große Gefahr für die Glaubwürdigkeit derselben darstellen. Johannes XXIII. und Johannes Paul II. stehen am Anfang der größten Krise der Kirchengeschichte. Eine schleichende Apostasie, ein sittlicher Tiefstand und ein fast vollkommener Verlust überkommenen Glaubenslebens in großen Teilen der Catholica sind zu beklagen. Die Traditionalisten sollten die noch verbleibende Zeit als heilige Aufgabe begreifen, ihre Einwände gegen diese Kanonisationszeremonie präzise und sachlich zu formulieren und dem Heiligen Stuhl vorzulegen. Saubere Vorarbeiten sind geleistet worden und liegen vor.

S. 9
Bartholomäus Holzhauser (1613-1658) – prophetischer Mystiker, Asket, vorbildlicher Seelsorger

Sie nennen ihn alle, die Lexika der Prophezeiungen, die bayerischen Werke der Kirchengeschichte, die Verzeichnisse der Heiligen, Seligen und Ehrwürdigen. Bartholomäus Holzhauser, der sensitive, hochbegabte und tieffromme Schustersohn aus dem schwäbischen Fuggerdörfchen Laugna hat nicht nur auf seine Zeitgenossen einen unwiderstehlichen Zauber ausgeübt. Eine eigentümliche Aura umgibt den am 24. August 1613 – vor 400 Jahren – geborenen Bartholomäus. Seine „Explanatio in Apocalypsin“, die von ihm geschaute Erklärung der Apokalypse des heiligen Johannes und die zeitbedingt entstandenen „Visiones“, die Ausrufe zur Erneuerung der Kirche, zeugen von reicher priesterlicher Spiritualität: „Jeder glaubt und handelt wie er will. In diesem beklagenswerten Zustande der Kirche erschlaffen göttliche und menschliche Gesetze und werden abgeschwächt, die Satzungen der Kirche werden für nichts geachtet; die Kirchenzucht wird von den Priestern nicht besser beobachtet, wie die politische Ordnung vom Volke. ... Den Namen Katholiken behalten sie des Ansehens wegen und aus menschlichen Rücksichten bei ...“.
Bedenkt man den Wahrheitsgehalt dieses vor 400 Jahren prophetisch geschauten Zustandes, welcher die heutige Zeit beschreibt, so kann man sich nur noch eine Weisheit des Talmuds zu Herzen nehmen, die da lautet: Alle Termine sind abgelaufen, und es gibt allein noch die Kraft der Umkehr.

S. 10
Kardinal Burke: Ziviler Ungehorsam

Kardinal Raymond Leo Burke, Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur, hat auf einer Lebensschutz-Tagung in Rom die Katholiken gemahnt, gegen unmoralische Gesetze aktiv zu werden.
„Politiker, die sich katholisch nennen, zugleich aber die Abtreibung unterstützen, weil sie angeblich ihre religiösen Überzeugungen nicht aufdrängen wollen, sind in einem schweren Irrtum, denn – wie ich bereits sagte – die göttliche Offenbarung bestätigt lediglich, was das allen zugängliche Naturrecht bereits sagt. Und wer nun offen die Abtreibung fördert, der kann keinen Zugang zur Heiligen Kommunion haben. Das ist auch im Artikel 915 des Kanonischen Rechts so vorgesehen. Die Katholiken müssen ihre Opposition ganz deutlich machen, auch auf der Straße, wenn das nötig ist.“

S. 11
Buchempfehlung: Das Neue Testament in neuer lateinisch-deutscher Ausgabe

Über Jahrhunderte war die lateinische Vulgata die offizielle Bibelausgabe der römischen Kirche. Eine bis dahin noch nicht dagewesene Verbreitung erreichte im 19. Jahrhundert die deutsche Übersetzung der Vulgata, die der Augsburger Dompropst Joseph Franz von Allioli erarbeitet hat (1793-1873). Nachdem das Alliolische Übersetzungswerk von anderen fortgeführt worden war, erschien 1942, in schwerer Zeit, eine Neubearbeitung des Neuen Testaments von Ludwig Athanasius Wintersig (1900-1942). Diese Fassung der Alliolischen Übersetzung wurde für die vorliegende Ausgabe sprachlich behutsam überarbeitet. Das Ergebnis ist eine auf den Stand heutiger Grammatik und Ausdrucksweise gebrachte Allioli-Übersetzung, die sich weiterhin vor allem dem Anliegen verpflichtet weiß, dem lateinischen Text der Vulgata zu entsprechen. Mit diesem zusammen wird sie in der vorliegenden Ausgabe präsentiert.

S. 12
Tradition ist Zukunft – Ein Gespräch mit Pater Firmin Udressy, dem neuen Oberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland

Pater Firmin Udressy entstammt einer kinderreichen, der katholischen Tradition verbundenen Familie im südlichen (französischsprachigen) Teil des Schweizer Kantons Wallis. Am 15. August 2013 übernimmt er die Verantwortung für alle deutschen Häuser der Priesterbruderschaft St. Pius X.

S. 28
Die Philosophie: ein prächtiges Haus – Laudatio für Christa Vlad anläßlich der Abiturfeier 2013 des St. Theresien-Gymnasiums Schönenberg

Das renommierte Sankt-Theresien- Gymnasium Schönenberg, im lieblichen Bröltal bei Bonn gelegen, ist eine der wenigen Schulen und Bildungsinstitute im deutschsprachigen Raum, die sich im kulturrevolutionären Sog unserer Zeit dem abendländischen Bildungsideal weiterhin verpflichtet fühlen.

S. 30
Menschenrechte für Affen?

Abtreibungsindustrie, Gender-Wahn, drohende Euthanasie, Auflösung der Ehe und Familie, bioethische Dammbrüche wie die Gen-Manipulation und Menschen-Züchtung: Stichworte zur geistigen Situation unserer Zeit. Der nächste Schritt ist die Ausweitung der Begriffszone „Mensch“. Es sei hier vor einem neuen Irrsinn einer biologistisch-rassistischen Weltsicht gewarnt.

S. 33
Oremus – Katholisch beten

Zum Schutz gegen den Satan hat die Kirche die Sakramentalien eingesetzt. Dies sind Riten oder auch Gegenstände, die durch das Gebet der Kirche und
Weihe eine besondere Kraft gegen den bösen Feind besitzen. In den verschiedenen Gebeten der Römischen Rituale zur Weihe des Weihwassers bittet die Kirche inständig, daß Gott dem Wasser die Kraft verleihe, „den Feind selbst zu entwurzeln und auszurotten mit seinem Anhang gefallener Engel. [...] Es
weiche jeder Anschlag des unreinen Geistes, jeder Schrecken dieser giftigen Schlange.“

S. 48
Der letzte Gehenkte – Wie der irische Blutzeuge Oliver Plunkett nach Deutschland kam

Die irischen Katholiken sind bis heute überzeugt, daß der hl Oliver der Kirche in Irland und England die Freiheit erbeten hat. Der Bischof war der letzte
Martyrer der Reformationszeit, der auf englischem Boden gehängt bzw. hingerichtet wurde.

S. 50
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht – Moderne Christenverfolgung

Dem hohen Lob, welches das II. Vatikanische Konzil in seinen Dokumenten „Lumen gentium“ (Nr. 16) und „Nostra aetate“ den Anhängern des Islam zollt, steht ein merkwürdiges Verschweigen negativer Aspekte der islamischen Lehre und Praxis gegenüber. Heute haben wir es in nicht wenigen Ländern sogar mit einer Christenverfolgung durch Muslime zu tun, die sich auf den Koran berufen können.
Wir hatten die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer zitiert, die der Kirche „Blauäuigkeit“ im Umgang mit dem Islam vorwirft. Den Christen speziell in Deutschland hält sie zu Recht vor, sich viel zu wenig für ihre verfolgten Glaubensbrüder und -schwestern einzusetzen. Auf die Frage der Interviewerin, „Christen leiden also unter einer mangelnden ‚Christenliebe’?“, antwortete Frau Dr. Rita Breuer: „Absolut. Mich haben schon vor zwanzig Jahren Christen in der muslimischen Welt fassungslos gefragt, wie es denn sein könne, dass die Kirchen sich sehr für die Rechte von Muslimen in Deutschland einsetzen, was ja auch nicht falsch ist, aber gleichzeitig keinen Sinn dafür haben, was mit den Christen in muslimischen Ländern geschieht.“ Weltweit werden etwa 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens entweder direkt verfolgt oder zumindest stark benachteiligt. Dies geschieht in mindestens 50 Ländern, die fast alle islamisch geprägt. Das Streben nach achtungsvollem Umgang mit den Muslimen darf aber den real existierenden Islam und seine Auswirkungen auf die orientalischen Christen nicht ausblenden.