Mai 2015

Titelblatt

S. 10
Über die göttliche Tradition

Im Carthusianus-Verlag ist jetzt der Tractatus de divina Traditione [Traktat über die göttliche Tradition] von Johann Baptist Franzelin SJ in der ersten deutschen Gesamtübersetzung erschienen. Aus diesem Anlaß haben wir mit dem Verleger des Carthusianus-Verlages, Peter Barthold, ein Interview geführt: „Das Werk Franzelins stellt ohne Zweifel die umfassendste theoretische Ausführung zu dem Thema dar, die bisher herausgegeben wurde. Trotz seines Alters ist es daher auch heute noch als das wesentliche Standardwerk auf diesem Gebiet anzusehen, das diesen Rang sicherlich noch einige Zeit behalten wird. … Es ist sicherlich richtig, daß der Leser einiges von einem solchen Werk erwartet, aber man wird von der Lektüre dieses Buches meines Erachtens kaum enttäuscht werden. Es besteht aus insgesamt 26 Thesen, die auf vier Hauptabschnitte verteilt sind. Schon auf den ersten Blick fällt die klare Ordnung auf.“ (Peter Barthold)

S. 22
Vom Mystischen Leib zum mobilen Baukasten? – Was soll von der Wahrheit, der Schöpfung und der Kirche übrigbleiben?

Man darf sich fragen, woher der Pontifex diesen „Gott der Überraschungen“ nimmt. Ist Gott nicht von der gesamten Heiligen Schrift des Alten und des Neuen Bundes, von der gesamten Kirchengeschichte und dem
Lehramt als der absolut Unwandelbare, Verläßliche und Treue bezeugt? Natürlich sind uns Gottes Wege unergründlich, und sein unerfindlicher Ratschluß, als unerwarteter Gnadenerweis oder plötzliche schwere Prüfung, mag unserer beschränkten Sicht im Einzelfall überraschend erscheinen. Aber im Bereich der grundsätzlich bindenden göttlichen Anordnungen, Verheißungen und Prophezeiungen gilt doch uneingeschränkt das Wort Mt 24,35: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“. Und gleicht nicht, nun auf menschlicher Seite, derjenige, der dynamisch, flexibel, nach allen Seiten für Heterodoxien und Überraschungen offen ist, dem Mann, der das Wort Gottes hört und trotzdem sein Haus auf sandigem Grund baut (vgl. Mt 7,24–27; Lk 6,47–49), so daß die nächste Flutwelle es hinwegspült?
Wenn der Papst den Traditionstreuen „eine statische Vision“ vorwirft, so ist darauf hinzuweisen, daß derjenige, der ein bewohnbares Haus auf Dauer erhalten will, auch etwas von Statik verstehen muß.

S. 48
Neuevangelisierung – Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht: Abraham, Vater der Christen

Die Christus zurückweisenden heutigen Juden sind keineswegs unsere „älteren Brüder im Glauben Abrahams“. Das gilt vielmehr nur für die Juden des Alten Testaments, die für Jesus Christus als den erwarteten Messias und Gottessohn und für seine Lehre offen waren. Solch einen Text, auch wenn er sich im offiziellen nachkonziliaren Katechismus der Katholischen Kirche findet, im Glaubensgehorsam anzunehmen, kann kein wahrer Katholik von Rom je gezwungen werden! Und diese Feststellung gilt leider auch für einige weitere Artikel des Katechismus, wie wir
schon in früheren Ausführungen dargelegt haben. Unsere Diagnose ändert natürlich nichts an der Tatsache, daß jener Katechismus viele wertvolle und richtige Aussagen enthält und zweifellos besser und katholischer“ ist als das, was heutzutage Hunderte von Lehrstuhlinhabern der katholischen Theologie publizieren. Aber frühere Katechismen, wie beispielsweise der des Konzils von Trient, der des hl. Bellarmin oder des hl. Petrus Canisius, waren zuverlässiger und sollten daher von den Gläubigen, vor allem solchen, die sich noch nicht so gut auskennen, unbedingt bevorzugt werden.

S. 4
Die Unbefleckte und die Irrtümer

Was ist wohl das erste, womit haßerfüllte Glaubensfeinde ihre Irrtümer nach allen Seiten zu verbreiten suchen und leider bei vielen den Glauben erschüttern? Sie leugnen, daß der Mensch gefallen sei, gesündigt habe und so seiner ehemaligen Stellung verlustig gegangen sei. Deshalb sind für sie die Erbsünde und alle ihre schlimmen Folgen rein erdichtete Märchen Die Tatsache, daß dieses Übel alle Menschen erfaßte und so einen Erlöser notwendig machte, belächeln sie. Aus solchen Voraussetzungen aber folgt, daß es für Christus, für Kirche, für Gnade und eine übernatürliche Ordnung keine Daseinsberechtigung mehr in der Welt gibt. Das ganze Gebäude des Glaubens ist dadurch völlig unterhöhlt. Wenn hingegen die Menschen gläubig bekennen, daß Maria die Jungfrau im ersten Augenblick ihrer Empfängnis von aller Sündenmakel frei geblieben ist, so bedeutet das auch, die Erbsünde, die Erlösung durch Christus, das Evangelium, die Kirche und selbst das Gesetz des Leidens zuzugeben und anzunehmen.

S. 4
Lebenswirklichkeit

Am 3. März schrieb Papst Franziskus der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität von Argentinien einen Brief. Er sagte, das II. Vatikanum sei eine „erneute Lektüre des Evangeliums aus der Perspektive der
modernen Kultur“ gewesen. Er sagte nicht, „eine erneute Lektüre der modernen Kultur aus der Perspektive des Evangeliums“. Diese Perspektive auf die Wirklichkeit gilt wohl auch für die Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz. Diese hat beschlossen, die arbeitsrechtliche „Grundordnung“ für die ca. 700.000 Beschäftigten im kirchlichen Dienst zu ändern. Sie war mit einer satten Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet worden.
Die „Lebenswirklichkeit“ gilt anscheinend nicht nur für Bischof Bode als neue Offenbarungsquelle. Nach der neuen Beschlußlage, die in jeder Diözese einzeln umgesetzt werden muß, werden arbeitsrechtliche Folgen einer Wiederverheiratung oder einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ auf „schwerwiegende“ Fälle beschränkt.

S. 6
Mai – Schicksalstag der Schweizergarde

Ineiner feierlichen Zeremonie schworen am 6. Mai 2015 32 neue Rekruten der Schweizergarde dem Papst und seinen rechtmäßigen Nachfolgern „treu, redlich und ehrenhaft zu dienen“. Mit der Vereidigung gedachte die Schweizergarde dem Heldentod ihrer Vorläufer: Am 6. Mai 1527 wurden 147 Schweizergardisten von kaiserlichen Söldnern erbarmungslos niedergemetzelt, als sie beim „Sacco di Roma“ Papst Clemens VII. beschützen wollten.

S. 7
Maria Knotenlöserin

Im Jahr 2017 jährt sich die Proklamation Mariens zur „Patrona Bavariae“. König Ludwig III. (1913-1918) erbat inmitten des I. Weltkrieges vom Heiligen Stuhl ein eigenes Fest der Gottesmutter als Schutzfrau Bayerns. Papst Benedikt XV. gab dieser Bitte gerne nach und gewährte ein eigenes liturgisches Offizium.

S. 8
Die Stunde Null – Kardinal Frings Zur Kirche im III. Reich

Am 8. Mai schwiegen die Waffen des II. Weltkrieges in Europa. Überall litt die Bevölkerung unter dem Zusammenbruch. Unglaubliche Verbrechen kamen ans Licht. Leid ging aber auch weiter. Fast alle deutschen Bischöfe im Westen verfaßten Hirtenbriefe an ihre Diözesanen. An einen Brief sei hier erinnert.

S. 9
Dante – En Sohn der Kirche

2015 wäre Dante 750 Jahre alt geworden. Der Dichter, der die italienische Literatur wie kein anderer geprägt hat, wurde 1265 in Florenz geboren. Seine „Divina Commedia“ gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Sprache. Am 14. September 1321 ist Dante im Alter von 56 Jahren in Ravenna gestorben

S. 9
Papst-Reise nach Fatima

Papst Franziskus besucht 2017 den portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima. Der Papst wolle laut Msgr. Antonio Marto, dem Ortsbischof, an den Hundertjahrfeiern der Marienerscheinungen in Fatima teilnehmen.

S. 9
Niederlande – 1.000 Kirche vor Schließung

Willem Jacobus Kardinal Eijk, der Erzbischof von Utrecht und Vorsitzender der niederländischen Bischofskonferenz hat die Gläubigen seines Landes auf eine „kirchenlose“ Zukunft vorbereitet. Etwa 2/3 aller katholischen Kirchen müßten in den nächsten Jahren geschlossen werden. Dies sei das Resultat von „Fehlern der lokalen Kirche nach dem (Zweiten Vatikanischen) Konzil und des Verzichts auf Evangelisation“ sagte er dazu in einem Interview mit Radio Vatikan.

S. 9
Warnung vor Ausbreitung der Euthanasie

Bischöfe aus Belgien und Deutschland haben vor einem „Dammbruch“ bei der Euthanasie gewarnt. Der Bischof der belgischen Diözese Tournai, Msgr. Guy Harpigny, bezeichnete die Situation in Belgien als „alarmierend“ am Rande einer internationalen Tagung von Bischöfen in Brüssel.
Die belgische Gesetzg

S. 16
Der falsche Primat der Praxis – Irrwege in der Nachkonzilszeit

„Diejenigen, die wissen möchten, wohin der Weg geht, tun gut daran, nicht den Politikern, wohl aber den Philosophen Beachtung zu schenken; was sie heute verkünden, wird der Glaube von morgen sein.“
Die Feststellung ist in unserer hektischen, dem Pragmatismus, d.h. dem angeblichen und absoluten Primat der Praxis verschworenen Zeit aktueller denn je, in der kaum noch Raum für tiefere Besinnung und erst recht nicht für die Erinnerung an die große geistige Tradition des Abendlandes ist, sondern alles auf quickes Bescheidwissen, rasche Anpassung an die sich ebenso rasch ändernden Verhältnisse und damit auf die technokratische Bewältigung der anstehenden Probleme ankommt. Obwohl man an den Universitäten ständig von „Ideologie“ und „Ideologiekritik“ redet, ist man doch unfähig zu begreifen, wie sehr eine im wörtlichen Sinne abgründige Ideologie, und das heißt doch eine ins Unterbewußtsein verdrängte Philosophie, die nichts mehr ausdrücklich reflektiert, sondern eben deshalb für selbstverständlich gehalten wird, heute schon ganz allgemein die Gemüter und damit die öffentliche Meinung regiert.
Anders als mit einem tiefsitzenden Materialismus und Atheismus oder doch zumindest kraftlosen Deismus, der schon gar nicht mehr mit der Möglichkeit rechnet, daß wir uns vor Gott verantworten müssen und Treuhänder seiner Schöpfung sind, läßt es sich ja nicht erklären, daß die Tötung der Kinder im Mutterleib schon als eines der ‚Menschenrechte‘ verkauft wird, daß der Sexualkundeunterricht bei den Kindern die letzten Schambarrieren abbaut, daß allenthalben über Euthanasie verhandelt und das Recht auf den ärztlich begleiteten „Freitod“ gefordert wird und ein hemmungsloser Hedonismus ohne Trauschein oder gar Ehesakrament als Weg zur Selbstverwirklichung gepriesen wird. Dabei zeigt sich der ideologische Charakter des Ganzen gerade darin, daß dieselben Leute, die so hemmungslos auf dieses ihr Recht zur ungebremsten Selbstverwirklichung pochen, sich vielfach erbittert dagegen wehren, als Atheisten oder gar Materialisten bezeichnet zu werden. Sie sind, so versichern sie uns, ganz einfach Agnostiker, also Leute, die sich damit brüsten, keine eigene Meinung über die letzten Dinge zu haben und gerade deswegen und um so umstandsloser jeder subkutanen Ideologie verfallen.

S. 36
Was ist Philosophie? (Teil VII)

Was ist Philosophie? Was ist der Mensch? Wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit dem Gewissen und dem Bewußtsein.

S. 44
Botin des Herzens Jesu – Die hl. Gertrud von Helfta

Liturgisch wird das Fest der hl. Gertrud von Helfta am 16. November begangen, aber im Herz-Jesu-Monat 2015 soll sie eine besondere Fürbitterin sein, besonders für Deutschland und Österreich, die in diesem Jahr das 100. Jubiläum der Weihe beider Länder an das Erlöserherz durch die jeweiligen Episkopate begehen.