September 2011

Titelblatt

S. 14
»Bilde unser Herz nach Deinem Herzen!« - Der Papst weihte die Jugend dem Herzen Jesu

Am 20. August 2011 weihte Papst Benedikt XVI. in Madrid die Jugend der Welt dem Heiligsten Herzen Jesu. Dieser Akt ist in übernatürlicher Perspektive sicher einer der bedeutendsten seines Pontifikates. Die Weihe der Weltjugend an das Heiligste Herz Jesu fand statt vor der ausgesetzten Hostie, die in der weltberühmten Monstranz von Toledo aus dem 16. Jahrhundert den Gläubigen zur Anbetung gezeigt wurde. Für viele Katholiken ist heute die Herz-Jesu-Verehrung nicht mehr selbstverständlich. Wofür steht das Herz Jesu symbolisch und warum erweisen wir ihm sogar den Kult der Anbetung?
Im Leben der Kirche war die Herz-Jesu-Verehrung bis zum Konzil ganz fest verwurzelt. Der Herz-Jesu-Freitag hatte einen festen Platz im monatlichen Ablauf. Mit großer Regelmäßigkeit hat man zum ersten Monats-Freitag gebeichtet und die hl. Kommunion empfangen, so wie es unser Herr der hl. Margaretha Maria Alacoque gegenüber gewünscht hat.
Nach dem Konzil ist die Herz-Jesu-Verehrung von vielen Modernisten als Kitsch abgetan worden und wurde lächerlich gemacht, ebenso wie z.B. der Rosenkranz. Man sagte, beides sei kein angemessener Ausdruck mehr für die Frömmigkeit eines Katholiken in moderner Zeit.
Die so sprachen und diese Frömmigkeitsübung dem gläubigen Volk austreiben wollten, haben ihr mangelndes Wissen um die sehr tiefen theologischen Grundlagen dieser Frömmigkeit geoffenbart.

S. 8
Ein motivierendes Beispiel – Kann ein Diözesanpriester ausschließlich den überlieferten Ritus der hl. Messe zelebrieren?

Schon bald nach der Veröffentlichung des päpstlichen Motu proprio „Summorum Pontificum“ im Jahr 2007 hatten drei Priester des Bistums Novara beschlossen, zur ausschließlichen Zelebration der alten Liturgie zurückzukehren.
Das führte zu hastigen und eisigen Reaktionen der bischöflichen Kurie des norditalienischen Bistums. Die Geschichte der drei tapferen Pfarrer füllte bald viele Seiten in der nationalen und sogar internationalen Presse. Traurig war die Reaktion gewisser halbkonservativer Kreise, die, obwohl sie das Motu proprio begrüßten, die Priester zu „Mäßigung“ und zum „Gehorsam“ dem Bischof gegenüber aufriefen.
Rom sah sich nicht in der Lage, die Priester zu schützen, die sich doch auf die Befreiung des alten Meß-Ritus durch Benedikt XVI. berufen wollten. Die drei sympathischen Geistlichen hatten darum nicht wenige Schwierigkeiten zu erdulden. Getragen wurden sie jedoch von der Treue ihrer Gläubigen.
Nach vielem Hin und Her – und einer bewundernswerten Festigkeit gegenüber ihrem katholischen Gewissen – wirken die drei Geistlichen heute weiter in der Diözese, sie benutzen ausschließlich das alte Missale und geben damit ein schönes Beispiel eines fruchtbaren priesterlichen Wirkens.

S. 18
Der Zweifel des Nuntius – ist das III. Geheimnis von Fatima vollständig veröffentlicht worden?

In jüngsten Ausgabe des US-amerikanischen Magazins „Inside the Vatican“ findet sich ein hochinteressantes Zeugnis des Herausgebers über das III. Geheimnis von Fatima. Der Herausgeber Robert Moynihan steht nicht im Verdacht eines „Traditionalisten“, sondern eines im Vatikan gut vernetzten „Neo-Konservativen“. Es geht um die Frage, ob der Vatikan im Jahr 2000 das III. Geheimnis von Fatima vollständig veröffentlicht habe. Mehrfach hat Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in den letzten Jahren das Wort ergriffen, um dem Verdacht, die Fatima-Botschaft sei nicht im ganzen Umfang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, energisch entgegenzutreten.

S. 24
Ist Martin Luther »unser aller gemeinsamer Lehrer«? – Das Konzil von Trient und die Lehre von der Rechtfertigung

Am Reformationstag, den 31. Oktober 1999 unterzeichneten der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Kardinal Cassidy und der Präsident des Lutherischen Weltbundes Christian Krause feierlich in der lutherischen St. Anna Kirche in Augsburg die „Gemeinsame Erklärung“ (GE), der die Methodisten am 23. Juli 2006 beitraten. Die „GE“ gilt als zentrales Dokument der Ökumenischen Bewegung, das einen Konsens über Grundwahrheiten der Rechtfertigung zwischen dem Lutherischen Weltbund, der katholischen Kirche und dem Weltrat der Methodisten bedeute. Durch die „GE“ wurden auch die früheren katholischen Lehrverurteilungen Luthers auf dem Konzil von Trient für null und nichtig erklärt.
Dabei stellt sich jedoch zwangsläufig die Frage, ob die Väter und Theologen des Tridentinum den deutschen Reformator mißverstanden haben und ein theologisches Konstrukt verdammten, das der wahren Theologie und Lehre Luthers gar nicht entsprach. Jedoch hat sich das Trienter Konzil sehr ausführlich und differenziert mit dem Problem der Rechtfertigung befaßt und schließlich den Widerspruch zwischen der Katholischen Lehre und der Auffassung Luthers überzeugend aufgedeckt. Die präzis formulierten Lehrverurteilungen des Konzils machen deutlich, wie sorgfältig sich die Kirchenversammlung mit der Lehre Luthers auseinandergesetzt hat. Der verblüffende Konsens über die lutherische Lehre von der Rechtfertigung ist das wohl lehrreichste Beispiel für die ‚skandalösen Brüche’ mit ‚der ehrwürdigen Tradition’ der römisch-katholischen Kirche in der nachkonziliaren Ära.

S. 4
Eine öffentliche Wirklichkeit

„Gläubige, die wie in der Ehe mit einer Person zusammenleben, die nicht ihre rechtmäßige Ehegattin oder ihr rechtmäßiger Ehegatte ist, dürfen nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten. Im Falle, daß sie dies für möglich hielten, haben die Hirten und Beichtväter wegen der Schwere der Materie und der Forderungen des geistlichen Wohls der betreffenden Personen und des Allgemeinwohls der Kirche die ernste Pflicht, sie zu ermahnen, daß ein solches Gewissensurteil in offenem Gegensatz zur Lehre der Kirche steht. Die irrige Überzeugung von wiederverheirateten Geschiedenen, zum eucharistischen Tisch hinzutreten zu dürfen, setzt normalerweise voraus, daß dem persönlichen Gewissen die Macht zugeschrieben wird, in letzter Instanz auf der Grundlage der eigenen Überzeugung über das Bestehen oder Nichtbestehen der vorausgehenden Ehe und über den Wert der neuen Verbindung zu entscheiden. Eine solche Auffassung ist jedoch unzulässig. Die Ehe stellt nämlich wesentlich eine öffentliche Wirklichkeit dar, weil sie das Abbild der bräutlichen Vereinigung zwischen Christus und seiner Kirche ist und die Urzelle und einen wichtigen Faktor im Leben der staatlichen Gesellschaft bildet.

S. 5
Assisi 2011 – im Licht des Lehramts

Vor 25 Jahren fand in Assisi zum ersten Mal auf Einladung Johannes Pauls II. das Interreligiöse Gebetstreffen statt. Papst Benedikt XVI. hat sich zu dieser Einladung seines Vorgängers bekannt und zu einem weiteren Treffen im Oktober 2011 in die Stadt des hl. Franziskus eingeladen. Auch wenn Papst Benedikt XVI. im Vorfeld – zum Verdruß der hinter den Treffen stehenden internationalen pressure group „Communità Sant’Egidio“ – einige kleinere Modifikationen vorgenommen hat, so bleibt es doch bei einer Einladung des Vikars unseres göttlichen Meisters an die falschen Religionen, in Assisi ihre falschen Kulthandlungen zu vollziehen.
Den üblichen Beschwichtigern sei angesichts des zum Himmel schreienden Skandals ins Stammbuch geschrieben: Wer ein Jubiläum feiert, distanziert sich eben nicht.

S. 6
»Die größere geistliche Frucht«

Mit der Kardinalskreierung des 93jährigen Domenico Bartolucci, dem von Pius XII. auf Lebenszeit (!) ernannten Maestro der Cappella Sistina und von Johannes Paul II. aus dem Amt gedrängten Repräsentanten der klassischen Choralpolyphonie und der Gregorianik, hat Benedikt XVI. beim letzten Konsistorium (November 2010) ein deutliches Zeichen gesetzt. Der überlieferte Schatz der Musica sacra wurde sichtbar rehabilitiert.

S. 7
Medjugorje

Das Phänomen Medjugorje bewegt Seit 1981 die Gemüter. Etwa eine Million Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin. Dort soll die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria angeblich erstmals 1981 in der mehrheitlich von Kroaten besiedelten Ortschaft in Bosnien-Herzegowina erschienen sein. Seit 30 Jahren sollen die „Erscheinungen“ nicht aufgehört haben. Die sechs „Seherkinder“, die damals zwischen 10 und 16 Jahren alt waren, erhalten angeblich noch heute regelmäßig „Botschaften“ der „Gospa“, manche täglich, manche jährlich. Insgesamt soll es mittlerweile ca. 40.000 Erscheinungen der Muttergottes gegeben haben.
Die katholische Kirche verbietet offizielle Wallfahrten, was die Anhänger der Erscheinungen jedoch nicht hindert, häufig nach Medjugorje zu fahren. Im Jahr 2010 setzte Papst Benedikt XVI. eine hochrangige Untersuchungskommission ein, die nun endlich klären soll, ob es sich hier tatsächlich um echte Marienerscheinungen handelt oder nicht.

S. 13
Priesterliche Heiligkeit

Es wird kaum einen Prälaten des XX. Jahrhunderts geben, der so sehr das Thema der priesterlichen Heiligkeit ins Zentrum seiner Predigt gestellt hat, als Erzbischof Marcel Lefebvre, den Papst Benedikt XVI. als einen „Mann der universalen Kirche“ lobte.
Wer das „Drama von Ecône“ verstehen will, darf nicht an der Oberfläche der „Kirchenpolitik“ verbleiben (deren Geheimnisse doch erst mit dem jüngsten Gericht offenbar werden), oder deren Prämissen in einem Konflikt der ersten Hälfte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts suchen. Wer Erzbischof Lefebvre verstehen will, muß von Priestertum her denken.

S. 22
Binsenweisheit aus Fernost – Toleranz, Intoleranz und der Dalai Lama

Was ist es, das die Leute so sehr am Dalai Lama fasziniert, dessen sparsam einhüllende Toga einen unwillkürlich frösteln läßt? Neuerdings wurde er wieder in Hessen wie ein Prophet, wie einer der letzten noch verbliebenen religiösen Hoffnungsträger gefeiert und hofiert, was er für viele unserer säkularen Zeitgenossen ja inzwischen auch ist.
Tatsächlich ist der tibetanische Lama zu einem der prominentesten Verkünder jener universalen Menschheitsreligion geworden, die im Zeichen der Globalisierung als der neue Weg zum Heil gepriesen wird: genauer als die neue Bündelung bisheriger Heilswege, auf denen wir „vereint mit der ganzen Menschheit“ als „Pilger unterwegs zur Wahrheit“ sind, die somit noch offen steht. Diese Verkündigung einer universalen Menschheitsverbrüderung ist es, welche die Botschaft des Dala Lama trotz oder gerade wegen ihrer gummihaften Verpackung so gefährlich macht. Es ist die die Verkündigung eines Gutmenschentums, in dem alle einig sind und in der sich die Verwandlung der Wahrheit in unbestimmte Sehnsucht nach Glück, Frieden und Toleranz ereignet, in der sich selbstverständlich auch alle einig sind oder einig zu sein haben.
Doch es ist leicht, aus den Reden des Dalai Lama zu entnehmen, wie die von ihm so viel beschworene Toleranz unversehens in Intoleranz umschlägt. Man will sich in seiner Ruhe und universalen Brüderlichkeit durch nichts, aber auch gar nichts stören lassen und droht deshalb all denen, die immer noch an Christus als dem Weg, der Wahrheit und dem Leben festhalten, mit einer Intoleranz, die logisch notwendig aus der nebulösen Forderung einer Toleranz folgt.

S. 34
Maria bildet den priesterlichen Geist in ihren Söhnen

Durch ihr „Fiat“ trug Maria zur „Salbung“ des ewigen Hohenpriesters bei – in gleicher Weise möchte sie in den Priestern den Geist Jesu heranbilden.
Maria ist die „conditio sine qua non – die Bedingung, ohne die es nicht geht“ – auch zur Erlangung wahrer priesterlichen Heiligkeit. Es ist der Wille Gottes, daß Maria, wie sie den ewigen Hohenpriester in ihrem Schoß herangebildet und Ihn bis zum Kreuzesopfer begleitet hat, auch in seinen Nachfolgern den priesterlichen Geist Jesu heranbilde, damit auch sie zu lebendigen Opfergaben werden, die sich im Werk der Erlösung verzehren.

S. 36
Das Sakrament der Letzten Ölung

„Ist unter euch jemand krank“, so möge er, getreu der Empfehlung des heiligen Jakobus (Jak. 5, 14-15), „die Priester der Kirche rufen lassen; die sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken zum Heil sein, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“ Im Lichte des Glaubens ist sich die Kirche der Tatsache bewußt, daß dieser Augenblick des Übergangs von dieser Welt in jene Welt der wesentliche Augenblick eines Menschendaseins ist, der entscheidende Augenblick, der über das ewige Schicksal einer Seele bestimmt.

S. 40
Alles in Christus erneuern! – Der heilige Papst Pius X.

Am 4. August des Jahres 1903 wurde der Patriarch von Venedig zum Papst gewählt, nachdem er vergeblich darum gebeten hatte, einen anderen zu bestimmen, da er nicht für dieses Amt geeignet sei. Auf die Frage, ob er die Wahl annehme, antwortete er: „Accepto in crucem“, ich nehme sie an als Kreuz. – Am 9. August, dem 10. Sonntag nach Pfingsten jenes Jahres, wurde Joseph Sarto als Pius X. mit der Tiara gekrönt.
Am 4. Oktober 1903 gab St. Pius X. sein erstes Rundschreiben „E supremi apostolatus“ heraus. Dessen Leitwort lautet (nach Eph. 1, 10): „Omnia instaurare in Christo, alles in Christus erneuern bzw. wiederherstellen!“

S. 42
Der Völkerapostel und die Wiederkunft des Herrn – Die Parusie Christi in den Paulus-Briefen

Parusie (griechisch parusía) meint die zweite Ankunft, d.h. die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. In den Briefen des Apostels Paulus wird das Thema
der Wiederkunft des Herrn in drei Briefen behandelt: 1 Thess, 2 Thess und 1 Kor.

S. 48
Konzil – Der „Kult des Menschen“ bei Papst Paul VI.

Wie weit man auf dem II. Vatikanum bereit war, im Rahmen eines problematischen Fortschritt- und Einheitsoptimismus auch in das Konzert des allgemeinen Humanismus mindestens verbal einzufallen, zeigt die lateinische Ansprache Pauls VI. zur Eröffnung der letzten Öffentlichen Sitzung des II. Vatikanum. Mag die Intention auch noch so gut gewesen sein: Dort biederte der Papst sich jedenfalls regelrecht den Ungläubigen an – man muß es leider so unverblümt sagen! –, indem er ihnen zurief: „Dieses Lob spendet wenigstens dem Konzil, ihr, die ihr in diesem unserem Zeitalter den Kult der Menschlichkeit pflegt und die Wahrheiten, die die Natur der Dinge übersteigen, zurückweist: anerkennt zugleich unsere neuartige Bemühung um die Menschlichkeit: auch wir, ja wir mehr noch als die anderen, haben den Kult des Menschen.“