April 2012

Titelblatt

S. 20
Der Heilige Rock und die Empörung gegen Rom - An der Wallfahrt zum Heiligen Rock schieden sich schon im 19. Jahrhundert die Geister

An der Wallfahrt zum Heiligen Rock nach Trier schieden sich im 19. Jahrhundert die Geister. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im deutschsprachigen Raum Gärungen, die unseren heutigen ähneln. Nach dem Syllabus Papst Pius IX. bildete sich eine Allianz zwischen anti-ultramontanen, nationalistischen Katholiken und dem liberalen Protestantismus, die eine gemeinsame protestantisch-katholische deutsche Nationalkirche erstrebte und die moderne Kultur und Zivilisation vor einem angeblichen Komplott der römischen Papstkirche retten wollte. Nicht von ungefähr hatten die „Deutschkatholiken“ gerade die Ausstellung des Heiligen Rockes in Trier und die Wallfahrt dorthin zum Anlass für eine „Abrechnung“ mit der römischen Kirche genommen. An dieser Wallfahrt macht sich die authentische Erneuerung des Katholizismus fest.
Der bereits wenige Monate nach seiner Entstehung einsetzende Verfall der deutschkatholischen Bewegung war letztlich die Folge seiner inneren Substanzlosigkeit, über die eine kurze Zeit lang die Präsenz der Massen und der Beifall der Presse hinwegtäuschen mochte.
Die Geschichte ist die Lehrerin des Lebens. Also: Auf zum Heiligen Rock nach Trier!

S. 14
Quo vadis, Kirche in Österreich? - Ein Gespräch mit Militärdekan Mag. Siegfried Lochner

„Seit fast einem Jahr führt eine schismatische Initiative von ca. 300 älteren Klerikern die Bischöfe Österreichs mit einem „Aufruf zum Ungehorsam“ an der Nase herum. … Die einzelnen Forderungen der Pseudoreformer, die in Wirklichkeit ganz gewöhnliche Epigonen alter Häretiker und Schismatiker sind, wurden durch das kirchliche Lehramt längst verurteilt und die Exponenten sind durch ihre Aufrufe der von selbst eintretenden Exkommunikation verfallen. Auch hier gilt: Nichts Neues unter der Sonne!
Ein Blick auf jene akatholischen Gemeinschaften, in denen das Programm der Kirchenrebellen bereits seit Jahrhunderten umgesetzt ist, wie etwa bei den Protestanten, zeigt indes, daß die als Gebot der Stunde verkauften Neuerungen nicht nur irrig, sondern logischerweise auch unfruchtbar, nutzlos und schädlich sind. Folgt man der Logik der Neuerer, dann müßte der deutschsprachige Protestantismus geradezu boomen – das Gegenteil ist offenkundig der Fall. Letztlich sind die Kirchenrebellen von heute die Nachhut der Aggiornamentisten von gestern, bei denen sie in die Lehre gingen. Wer sich gestern mit dem Zeitgeist vermählte, ist heute Witwer! Die ausgestorbenen Klöster, leeren Seminare, verwaisten Pfarren und zerstörten Familien legen davon ein erschütterndes Zeugnis ab.“

S. 38
Der „Dialogprozess“ der deutschen Bischöfe

Die deutschen Bischöfe haben mit Blick auf die zurückgehenden Zahlen an Katholiken, Gottesdienstbesuchen und Priestern im Herbst 2010 zu einem Dialogprozeß auf allen Ebenen der Kirche in Deutschland aufgerufen. Beispielhaft ist der Hirtenbrief, mit dem der Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zum Dreifaltigkeitsfest 2011 seine Gläubigen auf diesen Prozess eingestimmt hat.
Der Hirtenbrief des Ruhrbischofs wirft viele Fragen auf, wie denn der Dialogprozess positive Früchte zeitigen soll. Es wird von einer Kirchenkrise gesprochen, ohne näher zu darzulegen, woran genau die Kirche krankt. Eine Suche nach dem rechten Heilmittel, ohne vorhergehende Diagnose? Die Aussage, daß „geschichtliche Entwicklungen“ nicht „zurückgeschraubt werden können“, ist äußerst unbefriedigend. Besteht nicht sehr wohl die Möglichkeit, unheilvolle Entwicklungen in der Kirche wieder ins rechte Gleis zu bringen? Ist der Mut, solche Entwicklungen und Fehlentscheidungen, die sich seit Jahrzehnten zerstörerisch auf die Entfaltung des Glaubenslebens auswirken, zu benennen und zu korrigieren, jetzt nicht an erster Stelle gefragt, im Sinne einer echten Reform? Und müssen nicht endlich auch einmal Sanktionen gegen jene erfolgen, die sich nicht als Verkünder, sondern als Zerstörer des Glaubens erwiesen haben? Durch einen Dialogprozess wird man die Wölfe im Schafspelz nicht wieder zurückführen können; man würde ihnen gerade dadurch die Möglichkeit geben, ihre gefährlichen und seelentötenden Auffassungen noch in weitere Kreise zu transportieren.

S. 48
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht

Der Heilige Vater möchte ein „Jahr des Glaubens“ feiern. Anlaß: Der Beginn des II. Vatikanischen Konzils vor 50. Jahren. Die Glaubenskongregation hat in sog. „Pastoralen Hinweisen“ den Klerus aufgefordert, die Dokumente dieser Synode und den neuen Katechismus – auch Welt- oder Konzilskatechismus genannt – zu studieren. Dr. Heinz-Lothar Barth untersucht in einer Artikelreihe die Schwachstellen des neuen Katechismus.

S. 4
Meldungen

- Mit einem entschlossenen Hirtenschreiben hat der Kardinal-Erzbischof von Colombo (Sri Lanka), S.Em. Malcolm Kardinal Ranjith, für Ordnung in seinem Bistum gesorgt.
- Das Päpstliche Priesterseminar „Josephinum“ in Columbus im US-Bundesstaat Ohio hat eine nachahmenswerte Initiative gestartet. Die Alumnen Seminars beten jetzt regelmäßig von einer Abtreibungs-Klinik. In den USA konnte durch das friedliche Gebet des hl. Rosenkranzes erreicht werden, daß schon dutzende Abtreibungskliniken ihr Tötungsgeschäft aufgegeben haben.
- Vom 14. bis 16. September wird der Papst den Libanon besuchen. Benedikt XVI. hat eine Einladung des Staatspräsidenten und der katholischen Bischöfe angenommen.
- Papst Benedikt XVI. besuchte vom 23. bis zum 26. März 2012 Mexiko. Hunderttausende bereiteten dem Papst einen begeisterten Empfang. Schon seine ersten Äußerungen richteten sich gegen die Droge, die wie eine Krake das mexikanische Gemeinwesen gefangenhält und zerstört. Die unvermeidlichen Folgen dieser Todesmaschine – Gewalt, Mord, Prostitution, Wucher, Mißbrauch, Korruption – zerfressen wie ein Krebs das immer noch laizistische Land, in dem nominell 80% der Bevölkerung katholisch sind.
- Vom 26.-28. März 2012 besuchte Papst Benedikt XVI. Kuba, offiziell immer noch ein kommunistisches Land. Anlaß war die 400-Jahr-Feier der Auffindung des Gnadenbildes der Barmherzigen Jungfrau von El Cobre.
- Kardinal Ignatius Moussa Daoud, der emeritierte Präfekt der vatikanischen Ostkirchen-Kongregation und ehemalige Patriarch der mit Rom unierten syro-katholischen Kirche, ist in Rom am Karsamstag im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles verschieden. Daoud war der einzige Kardinal dieser Rituskirche.

S. 30
Eins mit sich und der Welt - Anmerkungen zur modernistischen Ideologie

Heute ist der Ruf nach „Einheit“ und immer mehr „Einheit“ zum Fetisch geworden, der die nachkonziliare Kirche in steigendem Maße regiert und nur die Kehrseite des Rufes nach Aggiornamento ist. Vom „Fetisch“ oder einem „Idol“ können wir deshalb sprechen, weil es sich hier nicht mehr um das hohe Gut der Einheit handelt, deren Wert und abgestuftes Maß sich leicht erkennen läßt, sondern um Ideologie, bei der der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Daher ist dieses hektische Streben nach Einheit eine Frucht des Modernismus, der die Erkenntnis der Wahrheit und damit den Glauben als festes Für-wahr-halten durch das Gefühl und damit die eigene Befindlichkeit ersetzt, die nunmehr für ihn zum Maßstab alles dessen wird, was er noch für gültig und sinnvoll hält. Dieses Gefühl wird hier zur Sehnsucht, nun endlich aus dem Ghetto auszubrechen, in das die Neuzeit die Kirche verbannt hat, alle Spaltungen zu überwinden und so eins zu werden mit der ganzen Menschheit und ihrer Pilgerschaft unterwegs zur Wahrheit.
Es bedarf zudem keines allzu großen Scharfsinnes, daß die Sehnsucht nach der immer größeren Einswerdung der Menschheit im Hintergrund der unheilvollen Assisi-Treffen der Weltreligionen stand, bei denen zudem auch optisch ganz deutlich wurde, wie hier eine unbestimmt sentimentale „Gefühligkeit“ die Frage nach der Wahrheit ersetzt hat. Gleiches gilt mutatis mutandis auch vom Ökumenismus, der die Frage nach der Einheit der Christen absichtsvoll mit der nach der Einheit der Kirche gleichsetzt, die gar nicht gespalten werden kann!
Die „Menschheit“ ist so der neue Gott und ihre Einheit das Ziel, nachdem die alten Götter, die Nationen und Klassen abgetreten sind.

S. 34
Pornographie: Angriff auf die Menschenwürde und Wegbereiter für sexuellen Missbrauch

„Jede Art Unzucht oder Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal genannt werden, wie es sich für Heilige ziemt.“ (Epheser 5,3).
Die Mahnung des heiligen Paulus zeigt uns die „Ambivalenz“ der Verteidigung christlicher Moral. Indem wir Christen gezwungen sind, die Verirrungen im Bereich des 6. Gebotes zu benennen, reißen wir auch verbal Schutzmauern des Anstandes nieder. Trotzdem ist der allseitigen Sexualisierung der Gesellschaft nicht auszuweichen. Die warnende Stimme muß erhoben werden.
An die Stelle der alten Tabus, daß z.B. über Sex nicht geredet wurde und schon gar nicht in der Öffentlichkeit praktiziert wird, ist das Verbot getreten, über die Folgen des sexuellen Massenkonsums und des Pornographiezwangs zu berichten und zu sprechen. Sexsucht und Pornographiesucht werden tabuisiert. Man tabuisiert die Folgen, die es für die Entwicklung von Kindern hat, wenn sie im Alter von zehn bis zwölf Jahren in Filmen und Bildern gemeinsam Dinge sehen, die andere nicht einmal zu denken wagen. Man tabuisiert, daß die Botschaft der Verfügbarkeit der Frau alle Erfolge der Gleichberechtigung zunichte macht. Tabu ist auch, darüber zu sprechen, wie viele Scheidungen auf Pornographie und Sexsucht oder durch sie ausgelöste Seitensprünge zurückgehen. Enthemmung von Kindern und Jugendlichen steckt, ist besorgniserregend. Und sie wird massiv unterschätzt.

S. 37
Geht zu Thomas: Arznei für die Seele

Es gibt unterschiedliche Heilmittel und Medizinen für unseren Körper. Manche müssen wir von außen zu uns nehmen, wie zum Beispiel Tabletten, andere wenden wir äußerlich an, wie Salben oder Verbände. Außerdem gibt es noch die Krankengymnastik. Da nehmen wir nicht äußere Dinge zu Hilfe, sondern da kommt es auf unser eigenes Tun an.
Ähnlich, sagt der hl. Thomas, verhält es sich bei den Sakramenten. Die einen nehmen wir ein, wie die hl. Eucharistie, bei anderen wird etwas äußerlich angewendet, wie bei der
Taufe, der Firmung und der letzten Ölung, da werden wir mit hl. Öl gesalbt. Schließlich gibt es aber auch noch Sakramente, bei denen nicht äußere Gegenstände nötig sind, sondern bei denen es auf das Tun dessen ankommt, der sie empfängt. Von dieser letzten Art ist die Ehe und das Bußsakrament.
Der gelehrte Heilige begründet auch, warum die Sakramente sich so unterscheiden.