Juni 2012

Titelblatt

S. 18
Abbruchunternehmer unter sich - Streiflichter zum Mannheimer Katholikentag 2012

Nur noch ca. 60.000 Teilnehmern waren zum hochsubventionierten Treffen, einem „Hochamt des Progressismus“ gekommen. Über 100 Veranstaltungen konnten besucht werden. Auf den Podien wurde alles verhandelt, was auch übers Jahr in den Talkshows Thema ist: das Klima, der Wutbürger, der Schuldenstaat, der demographische Wandel. Man konnte dem Burn-out vorbeugen, liturgisch tanzen oder sich mit der Frage beschäftigen, ob der Heiland wirklich übers Wasser gegangen ist. Einladungen wurden zwar nicht zur tridentinischen Messe, aber zum muslimischen Freitagsgebet ausgesprochen. Daneben gab es die übliche Sexualfixierung, die für die Katholikentage seit 1968 prägend geworden ist.
Es kommt einem bei der Durchsicht der Themen des Katholikentages und deren Bearbeitung ... so vor, als würde unentwegt mit hohem finanziellem Aufwand heiße Luft in löchrige Fahrradschläuche gepumpt. Wenn die Leute in der Kirche Steine statt Brot bekommen, ein verwässertes, bis zur Unkenntlichkeit aggiorniertes und entmythologisiertes Christentum, dann wandern sie eben aus, wenden sich ab oder dorthin, wo sie noch potenzierte Mystik zu finden scheinen.

S. 10
Nicht in die Irre führen lassen! - Der Schlingerkurs des Wiener Kardinals in Sachen Homosexualität gefährdet das kirchliche Zeugnis zu Ehe und Familie und produziert Orientierungslosigkeit

Noch vor nicht allzu langer Zeit bedurfte das Thema „Homosexualität“ in moralischer Sicht keiner Diskussion. Das Zeugnis von Schrift und Offenbarung war eindeutig, die kirchliche
Lehre stand fest. Allerdings stehen heute Bischöfe und Priester, aber auch jeder gläubige Christ, unter einem ständigen medialen Geschützfeuer. Christen werden als Apologeten des nur Überkommenen diffamiert, an dem die „fortschrittliche“ Gesellschaft immer größeres Ärgernis nimmt.
Wenn kirchliche Gremien und diejenigen, die Christus in seiner Kirche zu Wächtern bestellt hat, auf die Positionen einer gewissen Lobby einschwenken, ist der Bekenntnisfall
gegeben.
Wenn Kardinal Schönborn dabei ist, an den Grundlagen der kirchlichen Sexualethik zu rütteln – und das ist mit der öffentlichen Bejahung der Homo-Ehe als säkularer Rechtsinstitution trotz gegenteiliger Versicherungen klarer Weise der Fall –, nützt es nichts, für ihn im Befehlston „Respekt“ einzufordern.
So, wie die protestantischen Kirchen heute vielfach nur noch Zeitgeistverstärker sind und deshalb auch von Nichtchristen als redundant empfunden werden, wird sich auch eine katholische Kirche, die den Mut zum theologisch begründeten „Anachronismus“ nicht mehr aufbringt, selbst liquidieren.

S. 26
Von Mohammed zu Jesus - Der Weg eines irakischen Muslim zum Christentum

Joseph Fadelle – ein Pseudonym wegen Todesgefahr – ist durch die Hölle gegangen. Als Mohammed al-Moussaoui in einer schiitischen Familie im Irak geboren, bringt ihn ein Kamerad beim Militärdienst in Kontakt mit dem christlichen Glauben. Er findet nach vielen Hindernissen und Zweifeln zu Christus. Doch seine Familie ist entsetzt, verstößt ihn und bedroht ihm mit dem Tod. Als Apostat wird er verhaftet, landet im Gefängnis, erlebt Entbehrung und Folter. Er flieht schließlich nach Jordanien, wo er sich taufen lässt. Doch auch dort spürt ihn die Familie auf. Der eigene Onkel versucht, ihn zu ermorden ...

S. 32
Hirnforschung - Die Rückkehr des weltanschaulichen Biologismus

„Wie das Gehirn das Beste aus uns herausholt“, „Warum einige von uns an ihren Überzeugungen festhalten und andere versuchen, nicht anzuecken“, „Wie das Gehirn die Seele macht“ – Eine Flut von populärwissenschaftlichen Artikeln in Tageszeitungen, Zeitschriften, Illustrierten oder auch TV-Magazinen belehrt uns beinahe täglich über die angeblich neuronalen Ursachen unseres Erlebens und Verhaltens. Dabei geht es vor allem um den Schauder und die Faszination, welche Neurowissenschaftler und Hirnforscher mit ihren ernüchternden Wahrheiten verbreiten: „‚Sie‘, Ihre Freuden und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit – bei all dem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. Lewis Carolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: `Sie sind nichts weiteres als ein Haufen von Neuronen.`“ (Francis Crick)
Nicht nur die Medien schwimmen auf der „Modewelle“ Hirnforschung: So lud zu ihrem 50. Geburtstag Bundeskanzlerin Angela Merkel statt eines Sängers, Schauspielers oder Schriftstellers ausgerechnet den Hirnforscher Wolf Singer ein und bat ihn, über den neuesten Stand seiner Wissenschaft Auskunft zu geben, welcher auch richtig „Partytaugliches“ mitzuteilen wußte: „Der Mensch verfügt nicht über einen freien Willen. Er wird in Wirklichkeit von Neuronen gesteuert und ist in seiner Entscheidung zwischen Gut und Böse festgelegt.“ (Die Zeit v. 1.4.2008)
»Wenn die These „der“ Hirnforscher zuträfe, daß Freiheit eine Illusion sei, dann würde das die elementarsten Strukturen menschlichen Zusammenlebens erschüttern.

S. 4
Meldungen

- Erneuerung des missionarischen Geistes: Vor 300 Jahren vollendete der hl. Ludwig Maria Grignion seine „Abhandlung über die wahre Hingabe an Maria“. Diesem Büchlein ist bis heute eine große Aufgabe in der Kirche beschieden.
- Die Erde erbebte: Durch die schweren Erdbeben in Norditalien in den letzten Wochen sind zehntausende Menschen ihrer Häuser beraubt worden. 25 Menschen starben.
- Vollkommene Hingabe an Gott: Papst Benedikt XVI. hat in einer Predigt am 2. Juni den Zölibat für Priester verteidigt.
- Untergrundbischof verstorben. 20 Jahre Haft für Christus: Am 24. Mai 2012 verstarb der 88jährige chinesische Bischof von Changzi, Msgr. Hermengild Li Yi.
- Eine „Summe des geistlichen Lebens“ neu aufgelegt: Pater Reginald Garrigou-Lagrange O.P. gilt als der bedeutendste Thomist des vergangenen Jahrhunderts. Eines seiner grundlegenden Werke war „Les trois âges de la vie intérieure“.Dieses Werk ist eine wahrhafte Summe des inneren Lebens. Der Bonner Verlag nova&vetera hat
- in der Vergangenheit schon andere Bücher des großen Dominikaners neu herausgegeben.
- Hildegard von Bingen wird Kirchenlehrerin: Am Pfingstsonntag hat Papst Benedikt die liturgische Verehrung der hl. Hildegard von Bingen (1098-1179) auf die Weltkirche ausgedehnt. Am 7. Oktober soll sie in einer eigenen Zeremonie den Titel Kirchenlehrerin zugesprochen bekommen.
- E in wahrer Sohn des hl. Dominikus: Am 4. Juni 2012 wurde im französischen Besançon im Auftrag des Papstes der französische Dominika­ner Jean-Joseph Lataste (1832-1869) in das Buch der Seligen eingetragen.
- Civitas-Kongress 2012: Herzens Jesu“ war das Thema des diesjährigen Kongresses des Civitas-Instituts 2012, der in Stuttgart stattfand.

S. 24
Der geistliche Sinn der Liturgie – Eine Buchbesprechung

Gerade ist in dem für seine wertvollen liturgieerklärenden Beiträge bekannten Carthusianus Verlag ein weiterer Titel, der sich der Liturgie der traditionellen lateinischen Messe widmet, erschienen. Es handelt sich dabei um das vierte Buch des berühmten ‚Rationale divinorum officiorum - Der geistliche Sinn der göttlichen Liturgie‘ von Wilhelm Durandus,
verfasst zu Ende des 13. Jhs., das nun erstmals in moderner Übersetzung ins Deutsche vorgelegt wird.

S. 42
Zur angeblichen „Starrheit“ der traditionstreuen Katholiken - Der Streit um die „Geschichtlichkeit der Wahrheit“

Inzwischen sind die Angriffe gegen die traditionstreuen Katholiken und die Piusbruderschaft im Tonfall etwas zurückhaltender geworden, wenn auch der tiefe Affekt und die subkutane Gegnerschaft derer, die eine ganz neue Kirche wollen, geblieben sind, ja unausweichlich bleiben werden. Was stört ist das schlichte Schauspiel ungebrochenen
katholischen Lebens, das sich so eklatant von den modernen Eucharistiefeiern, der Neuinterpretation des Glaubens und somit der Verödung von Kult und Frömmigkeit abhebt und somit kaum geeignet ist, das Gewissen derer zu beruhigen, die immer noch immer neue konziliare Aufbrüche erzwingen wollen.
Aber die Polemik hat allem Anschein nach etwas nachgelassen und mündet nun in die immer gleiche Standardformel ein, wonach die traditionstreuen Katholiken nicht geschichtlich zu denken vermögen, sondern vielmehr in einem „starren“ statt angemessen dynamischen Verständnis von Geschichte und Tradition verharren würden.

S. 50
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht - Der Sprengstoff des Ökumenismus

Schon auf dem II. Vatikanum wird der Begriff der Katholischen Kirche und der Zugehörigkeit zu ihr als einziger Kirche Christi schon auf dem II. Vatikanum mehrfach relativiert. Auch das wird in den neuen Katechismus aufgenommen.
Mit Blick auf die Katholiken ist in der Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ (Nr. 14,2) von einer „vollen“ Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche die Rede. Offenbar gibt es also auch eine partielle Zugehörigkeit von Nichtkatholiken und ihren Gemeinschaften.
Leider beging das II. Vatikanum, jedenfalls tendenziell, genau den folgenschweren Fehler, ausdrücklich den Protestantismus in Unitatis redintegratio Nr. 3,4 als Heilsweg zu bezeichnen.