Juli/August 2012

Titelblatt

S. 10
Nicht nur von Engeln beschützt - Ulrich Nersinger im Gespräch Ulrich Nersinger im Gespräch über „Vatileaks“ und die Sicherheit des Papstes

Die Veröffentlichung von vertraulichen Briefen und Dokumenten aus dem Privatappartement des Heiligen Vaters hat auf der ganzen Welt für einen gewaltigen Medienwirbel gesorgt. Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat dieses Material in einem Buch mit dem Titel „Sua Santità. Le carte segrete di Benedetto XVI” gewinnbringend auf den Markt gebracht. Haben wir es hier mit einem einzigartigen Vorgang zu tun? Die KU sprach mit dem bekanntesten deutschen Vatikanisten, dem Theologen Ulrich Nersinger.
Man beginnt eine kriminelle Tat mit dem Verweis auf eine vermeintliche Informationspflicht gutzuheißen. Der voraussichtliche Buchtitel der für September geplanten deutschsprachigen Ausgabe von Nuzzis Enthüllungen“ gibt auf verräterische Weise seine moralische Qualifikation zum Besten: „Seine Heiligkeit: Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI.“. Dreister und unverhohlener kann man seine „Ethik“ nicht zur Schau stellen.

S. 6
Neuer Präfekt der Glaubenskongregation - Ratlose Katholiken

Müller von Regensburg zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre (bei gleichzeitiger Erhebung zur Würde eines Erzbischofs) hat eine gewisse Perplexität in traditionstreuen Kreisen hervorgerufen.
Der geborene Mainzer gilt zwar in der Welt der säkularen Medien als neuer „Panzerkardinal“ – er kann im nächsten Konsistorium fest mit dem roten Hut rechnen – und als „Ultra-Konservativer“, aber seine theologische Schule ist doch die seines wissenschaftlichen Mentors Karl Kardinal Lehmann. Erzbischof Müller selbst sieht sich in seiner geistigen und geistlichen Existenz ganz als Mann des II. Vatikanischen Konzils, einer Einschätzung, der man nicht widersprechen wird.

S. 14
Die Wenigen« und »die Vielen« - Ein früher Aufsatz von Joseph Ratzinger Zum theologischen Hintergrund der Begründung Papst Benedikts XVI. für die Übersetzung von „pro multis“ mit „für viele“

Papst Benedikt XVI. hat im April dieses Jahres erfreulicherweise endlich in einem Brief an die deutschen Bischöfe die richtige Übersetzung von „pro multis“ in den Konsekrationsworten über dem Kelch mit „für viele“ – statt jahrzehntelang fälschlich benutztem „für alle“ – durchgesetzt.
Trotz dieser Freude mußten traditionstreue Katholiken um der Wahrheit willen Kritik an der päpstlichen Begründung üben: Benedikt XVI. bezeichnete die Übertragung mit „für alle“ als nicht direkt falsch (was sie in Wirklichkeit sowohl vom philologischen als auch vom theologischen Standpunkt aus ist), sondern lediglich als eine vertretbare interpretierende Übersetzung. Allerdings gehe es in der Eucharistiefeier ausschließlich um die Christen, die an der hl. Messe teilnähmen: Sie seien eben nicht „alle“ Menschen, sondern nur „viele“. Und diese wörtliche Wiedergabe von „pro multis“ entspreche auch der Intention der göttlichen Stiftungsworte. Was früher von „den Wenigen“, nämlich der Kirche, gesagt wurde, begegnet jetzt als „viele“ im Sinne der exklusiven Teilnahme an der Eucharistie.

S. 34
Der Zölibat ist apostolischen Ursprungs! - Kardinal Sticklers Verteidigung der priesterlichen Ehelosigkeit neu aufgelegt

In der Edition Kirchliche Umschau, die vom Sarto Verlag mitgetragen wird, erschien vor wenigen Tagen eine Neuauflage des für das Thema der priesterlichen Ehelosigkeit so wichtigen Büchleins von Alfons Maria Kardinal Stickler (+2007) „Der Klerikerzölibat. Seine Entwicklungsgeschichte und seine theologischen Grundlagen“. Die Neuauflage hat ein neues Vorwort S. Em. Malcolm Kardinal Ranjith, dem Erzbischof von Colombo (Sri Lanka), das die Bedeutung des Werkes unterstreicht:
Dr. Heinz-Lothar Barth erinnert aus diesem aktuellen Anlaß daran, daß der Zölibat der höheren Kleriker apostolischen Ursprungs ist.

S. 20
Ökumenischer Fronleichnam

Die Päpste haben angesichts der Einheitsbemühungen unter den Christen immer vor einem ethischen und theologischen Relativismus gewarnt, der die Normen des Sittengesetzes und die verbindliche Glaubenslehre der Kirche zerstören würde. Wie wenig die kirchlichen Warnungen bewirkt haben, zeigen unter andern auch die ökumenischen Fronleichnamsfeste, die mancherorts bereits seit einigen Jahren stattfinden.

S. 22
Vorbild der Neuen Messordnung? - Die englische Reformation und ihre Liturgiereform

Die überlieferte Liturgie wurde als bleibende Waffe gegen die Irrlehre vom hl. Pius V. neu geordnet. Dieses Tun ist auf dem Hintergrund der protestantischen „Liturgiereformen“ des 16. Jahrhundert zu sehen.
Die Liturgiereform, die im sechzehnten Jahrhundert in England durchgeführt wurde, war weitgehend das Werk Thomas Cranmers, des im religiösen Bereich von 1547 bis 1553 allmächtigen Erzbischofs von Canterbury.
Er machte aus seiner Zielsetzung durchaus kein Hehl und erklärte unumwunden, daß die Macht „der großen Hure, also des verpesteten Römischen Stuhls“ auf der „päpstlichen Doktrin der Transsubstantiation“ gründe: „der Lehre von der Realpräsenz von Christi Fleisch und Blut im sogenannten Altarsakrament und auf der Opferung und Darbringung Christi durch den Priester zur Errettung der Lebenden und der Toten“. Dies gelte es zu beseitigen. Das Volk müsse lernen, daß Christus nicht im Sakrament selbst zugegen sei, sondern allein im würdigen Empfänger des Sakramentes.
Soviel über Cranmers Zielsetzung. Zur Durchführung bediente er sich hauptsächlich dreier Mittel: der Einführung der Volkssprache, der Ersetzung des Altares durch einen „Tisch des Herrn“ und der Abänderung des
Kanons der Messe.
Das 1969 der Kirche aufgenötigte zweite Eucharistische Hochgebet, „Kanon II“, folgt Cranmer aufs Genaueste.

S. 40
Wo der Glaube stirbt, stirbt auch die Enthaltsamkeit

Die KU druckt hier ein Kapitel ab aus dem erstmals 1993 veröffentlichten Buch „Der Klerikerzölibat. Seine Entwicklungsgeschichte und seine theologischen Grundlagen“ von Alfons Maria Kardinal Stickler.
Es ist soeben mit Erlaubnis der Vatikanischen Bibliothek neu in der Edition Kirchliche Umschau, die vom Sarto Verlag mitgetragen wird, erschienen.

S. 44
Euro-Krise – Wegbereitung zur neuen Weltordnung?

Robert Mundell, “der Vater des Euro” und Promoter einer Welteinheitswährung weiß sehr wohl, das nur extreme (Hungers-) Not und „eine drohende globale Krise“ Träume wahr werden lässt.9 In diesem Sinne äußerte sich leider auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mehrmals, so etwa schon am 19. November 2011 in der New York Times. Er sagte ganz offen, daß er in der Krise die letzte und beste Chance für eine Art „Staatsstreich“10 sehe, jetzt die politische Union Europas durchzusetzen: „Seeing in crisis the last best chance to unite Europe“ (in der Krise die letzte, beste Gelegenheit zur Einigung Europas erblicken).
In den Krisenjahren seit 2008 mit zunehmend drastischer werden Instrumentarien (Rettungsschirm, ESM15, Fiskalpakt16 und Euro-Bonds) erscheinen immer wieder Phrasen wie „Euro-Krise, eine Chance für Europa“ (Die Welt) oder „eine goldene Gelegenheit“ (Der Spiegel). Diese Sichtweise kommt dem freimaurerischen Ordo ab Chaos (Ordnung aus Chaos), oder Crisis Equals Opportunity bedenklich nahe.
Schäuble glaubt: „Bei der Globalisierung brauchen wir andere Formen als den Nationalstaat. Heute schaffen wir was Neues… wenn die Krise größer wird, werden auch die Fähigkeiten Veränderungen durchzusetzen immer größer…“ Im Klartext: Alles, was wir brauchen, ist eine richtig große Krise und die Nationen werden eine Neue Weltordnung – unter negativen Vorzeichen – akzeptieren.

S. 52
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht - Heilsrelevanz nichtchristlicher Religionen?

Heutzutage wird von halbkonservativer Seite immer wieder betont, wenngleich das II. Vatikanum zugegebenermaßen eine gewisse Heilsrelevanz der von Rom getrennten christlichen Konfessionen lehre, so habe es doch einen ähnlichen Schritt auf die nichtchristlichen Religionen zu durchaus vermieden.
Die Aussage, das II. Vatikanum habe eine Aussage zur Heilsrelevanz nichtchristlicher Religionen unterlassen, stimmt nicht ganz. Ähnliches ist immerhin in LG 16 schon angedeutet. So muß es nicht verwundern, wenn eine solche Heilsrelevanz dann später explizit befürwortet wurde.