März 2013

Titelblatt

S. 6
Franziskus – Der erste Jesuit auf dem Papstthron

Papst Franziskus sei nach dem Syrer Gregor III. (+741) der erste nichteuropäische Pontifex seit genau 1.272 Jahren. So ganz stimmt das nicht, denn Jorge Mario Bergoglio besaß durch seine Eltern, die nach Argentinien ausgewandert waren, einen italienischen Paß. Erstmals seit 913 hat ein Papst einen „neuen“ Namen gewählt (Johannes Paul ist eine Zusammensetzung). Deshalb wird diesem auch nicht „I.“ hinzugefügt. Das wird erst geschehen, wenn es in Zukunft einen zweiten Träger dieses Namens geben wird.
Der neue Papst ist auch der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. In die Gesellschaft Jesu ist er 1958 eingetreten und wurde in ihr zum Priester geweiht.

S. 0
Die Frage aller Fragen - Sinnsuche in entfremdeter Gesellschaft

In dem Maße, in dem alles als sinnlos empfunden wird und damit selber sinnlos wird, wird nach einem „Sinn“ gesucht, der nun nicht mehr im gelebten Leben selber, sondern außerhalb seiner gefunden wird. Je weniger die Leute mit ihrem Leben zufrieden sind, um so mehr wollen sie etwas – und dies immer wieder von neuem – erleben, um im Leben
nicht zu kurz zu kommen. Und so kann diese hektische Sinnsuche auch dahingehend beschrieben werden, daß die Leute etwas von ihrem Leben haben wollen, da ihnen dieses selber
nicht mehr genügt.
Und die Wende? Von der Politik haben wir sie nicht zu erwarten, obwohl sie uns schon vor Jahrzehnten versprochen worden ist.8 Vom aggiornamento heutiger Theologen noch
weniger, sondern wenn schon, dann allenfalls von einer entschlossenen Rückbesinnung auf die geistige Tradition des Abendlandes. Und darüber hinaus von der göttlichen Barmherzigkeit.

S. 14
»Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich nicht überrascht.« - Ein Gespräch mit Prälat Prof. Dr. Georg May

Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich nicht überrascht. Ich habe ihn im Sommer 2012 in einem Gespräch mit Pater Franz Schmidberger vorausgesagt. Der Papst ist zurückgetreten, weil er sich, der Kirche und der Welt das Schauspiel eines Nachfolgers Petri ersparen wollte, der sein Amt festhält, obwohl er es nicht mehr adäquat ausüben kann. Wer mit Gewißheit erkennt, daß er einem Amt nicht (mehr) gewachsen ist, hat die Pflicht, es aufzugeben. Das hat Benedikt getan.
Es trifft nicht zu, daß Benedikt XVI vor dem „Kreuz“ des Verbleibens im Papstamt geflohen ist. Wer ein Kreuz nicht mehr tragen kann, dem muß es abgenommen werden. Schließlich hat auch unser Herr die Hilfe des Simon von Cyrene nicht abgewehrt.
Der neue Papst muß sich zuerst einen Überblick über die Lage der Kirche und die dringendsten Maßnahmen, ihr zu begegnen, verschaffen. Wenn er es noch nicht wissen sollte, wird er bald erkennen, daß die Situation in den einzelnen Teilkirchen zwar verschieden, in den meisten aber besorgniserregend ist.
Der neue Papst muß sich darüber klar werden, wer die Hauptverantwortlichen für den bestürzenden Niedergang der Kirche, des Glaubens und des religiösen Lebens sind. Nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen und Beobachtungen sind es die destruktiven Theologen und die feigen Bischöfe.
Der Gremienkatholizismus ist zurückzuschneiden und womöglich zum Verschwinden zu bringen. Er ist weithin ein Tummelplatz von Wichtigtuern und Systemveränderern. Die Beendigung des fruchtlosen Geredes und der unaufhörlichen Wiederholung der angeblichen Notwendigkeit der Pseudo-Reformen wird den Weg freimachen für Taten und Zeugnis.
Nicht mit Reden und Mehrheitsbeschlüssen wird der Kirche aufgeholfen, sondern allein mit Taten, die vor Gott bestehen können.

S. 28
Priestertum heute – kritische Anfragen aus der Frühkirche. Ein Gespräch mit dem Priester und Patrologen Prof. Dr. Michael Fiedrowicz über Johannes Chrysostomus

Kann man Ihre neue Ausgabe des Chrysostomus-Dialoges „Über das Priestertum“ ebenfalls als Neuentdeckung eines vergessenen Klassikers

Um ein klassisches Werk zum Priestertum handelt es sich ganz gewiß. Schon in der frühen Kirche erfuhr es hohe Anerkennung. Spätere Patrologen sprachen fast nur in Superlativen davon und nannten es „das Schönste, das bis dahin über die Würde und Erhabenheit des Priestertums geschrieben worden war“.

Parallelen zur gegenwärtigen Situation der Kirche drängen sich geradezu auf.

Die Lektüre von Schriften wie De sacerdotio bringt ‚gefährliche Erinnerungen‘. Leser solcher Werke wissen, daß das augenblicklich Geltende nicht unbedingt auch schon das allein Gültige sein muß und vieles in der Vergangenheit Erkannte verläßlichere Orientierung zu bieten vermag als so manches heute Erdachte.

S. 34
Die Früchte der Abkehr vom christlichen Menschenbild

Unser einheitliches Ich, das über sinnliche und geistige Fähigkeiten verfügt, ist eine Geistseele, die aber auf die Mitwirkung des Leibes angewiesen ist, mit dem sie ontologisch eine Einheit bildet, den „leibhaftigen“ Menschen. Diese Einheit ist wesenhaft und natürlich, weil sie der Idee der menschlichen Kreatur entspricht, der Idee ihres göttlichen Schöpfers.
Gleichwohl feiert das materialistische oder besser naturalistische Menschenbild in verschiedenen Varianten heute überall fröhliche Urständ! Man hofft sogar, einen neuen Menschen technologisch erzeugen zu können.
Ähnlich wie die Nazis damals im einzelnen Menschen vorrangig den Träger des Erbguts der Rasse sahen, das allein zu schützen sei, bezeichnet der englische Soziobiologe Richard Dawkins – der „Papst der Atheisten – den Menschen als eine Wegwerfmaschine, eine Verpackung der allein wichtigen Gene, deren Erhaltung der letzte Zweck unseres Daseins sei.
Nach dem christlichen Menschenbild hat der Mensch hingegen ein letztes Daseinsziel, das über ihn hinausführt. Er ist, wie Augustinus und Thomas von Aquin betonen, auf Gott hin geschaffen und erst von Gott her im wahren Sinn Mensch.

S. 0
Rücktritt Papst Benedikts XVI.

Auch wenn der Rücktritt Papst Benedikts XVI. und die Wahl seines Nachfolgers die Schmähungen gegen die Kirche etwas gedämpft haben, so wurde in den letzten Monaten in den Massenmedien doch eine anti-christliche Stimmung offenbar, die man ohne den Einfluß des bösen Feindes kaum erklären kann. Sobald die Kirche ihre Stimme für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Heiligkeit der Ehe und für das Sittengesetzes erhebt, tritt ihr ein aggressiver Atheismus entgegen, der sich von der abendländischen Geistigkeit vollständig verabschiedet hat.
Die Mächtigen, die auf globaler Ebene die Umwertung aller Werte vornehmen, lassen sich auch von den Protesten hunderttausender Bürger für das Naturrecht nicht beeindrucken. Sie sind sich ihrer Agenda sicher.
Was kann der Katholik tun? Nicht nur die Irrtümer meiden, sondern auch die Methoden der Irrtumsverbreiter. Die Revolution bekämpft man nicht mit revolutionären Mitteln, sondern mit deren Gegenteil. Don Bosco hat diese „katholische Reaktion“ in einem Satz zusammengefaßt, den wir als Christen besonders einüben sollten: „Wir dürfen uns niemals eine Gelegenheit entgehen lassen, die der Herr uns bietet, um Gutes zu tun.“ Die Folgen der Erbsünde werden nicht durch natürlich Mittel geheilt, sondern durch die übernatürlichen Mittel unserer Religion.

S. 4
Der neue römische Pontifex: Papst Franziskus

Der Senat der Kirche wählte den argentinischen Erzbischof Jorge Mario Kardinal Bergoglio zum neuen Papst. Er gab sich den Namen Franziskus. Hier der Wortlaut seiner ersten Ansprache auf der Benediktionsloggia des Petersdomes beim Segen „urbi et orbi“.

S. 8
Die „Pille danach“: Kritik an deutscher Bischofskonferenz

Vom 18. bis 21. Februar 2013 fand in Trier die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt. An ihr nahmen 66 Prälaten teil.
Themen waren neben Fragen der Liturgie, der Bibel, des interreligiösen Dialogs und der Caritas der Rücktritt Benedikts XVI. und die Stellungnahme zur „Pille danach“. Wegen der weltweiten Beachtung dieser letztgenannten Problematik und seinen Konsequenzen für das Zeugnis der Kirche für das Leben veröffentlichte die DBK ihre Erklärung auch in englischer, spanischer, französischer und italienischer Sprache. Harsche Kritik an dieser Erklärung kam von Lebensschützern aus aller Welt, die teilweise sehr differenziert argumentierten.

S. 10
Priesterbruderschaft zur Wahl des Papstes

„… Der heilige Franz von Assisi, dessen Namen der neue Pontifex gewählt hat, hörte den gekreuzigten Erlöser sagen: „Franziskus, rette meine Kirche!“
In diesem Geist versichern die Bischöfe, Priester, Ordensbrüder und Ordensschwestern der Priesterbruderschaft St. Pius X. den Heiligen Vater ihres kindlichen Verlangens, „alles in Christus zu erneuern, damit Christus alles und in allen sei“, gemäß ihren Mitteln und für die heilige katholische Kirche.“

S. 11
Ikone der Passion – Das Turiner Grabtuch wird gezeigt

Eines der letzten Akte des vergangenen Pontifikates war die Erlaubnis des Papstes, das Grabtuch von Turin am Karsamstag auszustellen. Diese Ausstellung wird über das Fernsehen in alle Welt gesendet. Die Übertragung soll dazu anregen, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn zu betrachten.

S. 12
Sankt Josef: Schutzpatron der universalen Kirche

Zum 19. März, dem Fest des hl. Josef, erfolgte die Amtseinführung des neuen Papstes. Dieses Ereignis ruft uns in Erinnerung, daß dieser große Heilige der Schutzpatron der ganzen
Kirche ist. Ihm wollen wir vertrauensvoll diesen neuen Abschnitt im Leben der Kirche anempfehlen. Warum wurde dem heiligen Josef die besondere Ehre des Schutzpatrons der Kirche zugedacht? Hier die Antwort Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika „Quamquam pluries“ 1889).

S. 13
Glosse - Zur Debatte um die neuen sozialen Strukturen

Konsequent fordert der Pastoraltheologe Prof Dr. Michael Sievernich SJ vor allem von dem zu erwartenden Pontifex, daß er den Politikern ins Gewissen redet, damit sie die strukturellen Bedingungen der Armut bekämpfen. Denn mit dem „karitativen Blick“ sei es heute nicht mehr getan.
Aber so humanitär diese programmatischen Erwartungen an den neuen Papst auch klingen, so verdecken sie doch, daß die neue und rapide Hinwendung zum „Sozialen“ und der Änderung der sogenannten gesellschaftlichen Strukturen, die seit dem Konzil in so vielen Orden stattgefunden hat, ihrer übernatürlichen Bestimmung und damit ihnen selbst auf schwerste geschadet hat. Es ist genau dieser Versuch gewesen, in wenn auch religiöser Überhöhung und unter Berufung auf die noch ausstehende „Sache Jesu“ die Aufgabe
politischer Parteien zu übernehmen, der bekanntlich zu jener fürchterlichen, auch zahlenmäßigen Schwächung der Gesellschaft Jesu geführt hat. Den anderen
Orden, die sich in ähnlicher Weise umorientiert haben und sich damit, wenn auch unausgesprochen für die neue Rangfolge entschieden, in der die Weltverbesserung als erstes und
der Himmel als zweites Ziel rangiert, ist es genau so schlecht ergangen, so daß sie heute – was Mitgliederzahl und Nachwuchs betrifft – nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

S. 14
»Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich nicht überrascht.« - Ein Gespräch mit Prälat Prof. Dr. Georg May

Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich nicht überrascht. Ich habe ihn im Sommer 2012 in einem Gespräch mit Pater Franz Schmidberger vorausgesagt. Der Papst ist zurückgetreten, weil er sich, der Kirche und der Welt das Schauspiel eines Nachfolgers Petri ersparen wollte, der sein Amt festhält, obwohl er es nicht mehr adäquat ausüben kann. Wer mit Gewißheit erkennt, daß er einem Amt nicht (mehr) gewachsen ist, hat die Pflicht, es aufzugeben. Das hat Benedikt getan.
Es trifft nicht zu, daß Benedikt XVI vor dem „Kreuz“ des Verbleibens im Papstamt geflohen ist. Wer ein Kreuz nicht mehr tragen kann, dem muß es abgenommen werden. Schließlich hat auch unser Herr die Hilfe des Simon von Cyrene nicht abgewehrt.
Der neue Papst muß sich zuerst einen Überblick über die Lage der Kirche und die dringendsten Maßnahmen, ihr zu begegnen, verschaffen. Wenn er es noch nicht wissen sollte, wird er bald erkennen, daß die Situation in den einzelnen Teilkirchen zwar verschieden, in den meisten aber besorgniserregend ist.
Der neue Papst muß sich darüber klar werden, wer die Hauptverantwortlichen für den bestürzenden Niedergang der Kirche, des Glaubens und des religiösen Lebens sind. Nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen und Beobachtungen sind es die destruktiven Theologen und die feigen Bischöfe.
Der Gremienkatholizismus ist zurückzuschneiden und womöglich zum Verschwinden zu bringen. Er ist weithin ein Tummelplatz von Wichtigtuern und Systemveränderern. Die Beendigung des fruchtlosen Geredes und der unaufhörlichen Wiederholung der angeblichen Notwendigkeit der Pseudo-Reformen wird den Weg freimachen für Taten und Zeugnis.
Nicht mit Reden und Mehrheitsbeschlüssen wird der Kirche aufgeholfen, sondern allein mit Taten, die vor Gott bestehen können.

S. 24
Buchvorstellung: Johannes Chrysostomus „De sacerdotio – Über das Priestertum“

Johannes Chrysostomus (349-407), einer der vier großen Kirchenlehrer des Ostens, stammte aus der bedeutenden Metropole Antiochia in Syrien. Am 8. Juli 1908 hat der hl. Papst Pius X. Chrysostomus zum offiziellen Patron der christlichen Prediger für die ganze Kirche erklärt.
Seine Schrift De sacerdotio, die Chrysostomus als Priester (388/390) oder möglicherweise bereits als Diakon (378/381) verfasste, hat einen geschichtlichen „Sitz im Leben“: Sie stellt eine Reaktion auf die gravierenden Mißstände in der Kirche des 4. Jh. dar, die gerade unter den Amtsträgern, also Bischöfen und Priestern, verbreitet waren. Nachdem die Kirche das Format und Profil einer „Massenkirche“ erlangt hatte, zudem das Bischofsamt mit vielen Privilegien ausgestattet worden war und hohe Reputation in Staat und Gesellschaft genoß, grassierten unter den Amtsbewerbern wie den Amtsträgern Intrigen und Korruption, Machtgier und Ehrsucht. Mit dieser Schrift will Chrysostomus einen Beitrag zu einer inneren Reform des kirchlichen Amtes leisten und so den Weg aus dieser Krise von Klerus und damit der Kirche als Ganzes weisen.

S. 46
Proviantpaket fürs Glaubensleben?

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. 3.000 Tonnen Papier sind bereits bestellt. In den nächsten Monaten sollen pro Woche 75.000 Stück fertiggestellt werden. Nach zehnjähriger Vorbereitung soll es am Ersten Advent 2013 endlich so weit sein: Das neue katholische Gebet- und Gesangbuch erscheint. In einer Auflage von 3,6 Millionen Exemplaren kommt das Nachfolgewerk des „Gotteslob“ von 1975 heraus.
Schon das alte „Gotteslob“ enthält mehr oder weniger deutlich diese ökumenische Ausrichtung. Wenn auch das neue „Gotteslob“ in diesem Sinne „evangelischen Spuren“ nachgeht, dürfte dieses „Proviantpaket fürs Glaubensleben“ (Bischof Hofmann) für den traditionsorientierten Katholiken, über das Liedgut hinaus, noch einige verdorbene
Speisen bereithalten.

S. 50
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht. Teil 13: Liebe statt Hass – Christentum und Islam im Vergleich

Das II. Vatikanische Konzil hat in seiner Erklärung „über die nicht-christlichen Religionen“ einen Bruch vollzogen. Schon der Name des Dokumentes deutet die Neuerung an, den früher sprach man ausschließlich vom Heidentum. Diese kleine semantische Änderung hat auch die Katechese revolutioniert. Dr. Heinz-Lothar Barth muß deshalb in der Artikelserie über den Konzilskatechismus detailliert auf die Probleme des interreligiösen Dialogs eingehen. In dieser Folge beschäftigt er sich vor allem mit dem Problem der Friedensliebe im Islam und Christentum.