April 2013

Titelblatt

S. 32
Scheinheiliger Einklang der Ökumeniker: Luther - ein Lehrer im Glauben

Papst Franziskus empfing am 8. April den Ratsvorsitzenden der „Evangelischen Kirche in Deutschland“ (EKD), Nikolaus Schneider, in Privat-Audienz. Schneider erklärte nach der Audienz, er habe den Papst „zur aktiven Teilnahme am Reformationsjubiläum“ im Jahr 2017 eingeladen, mit dem die Protestanten an ihren Ursprung vor 500 Jahren und den legendären Thesenanschlag zu Wittenberg erinnern wollen.
Aus diesem Anlaß befaßt sich KU-Autor Norbert Clasen mit der Frage, warum eine Neubewertung Luthers aus katholischer Sicht nicht möglich ist: Luthers Ablehnung der Papst- und Priesterkirche war revolutionär und bestimmt bis heute das institutionelle und kulturelle Profil des Protestantismus. Mit der Rechtfertigungslehre ist das der Kern der Lutherschen Theologie. Das eigene Urteil des Verstandes und des Herzens werden dem überlieferten Glauben der Kirche übergeordnet, die dann als nur „äußere Organisation“ bzw. sog. „Amtskirche“ im Grunde überflüssig geworden ist. Von katholischer Seite kann man den deutschen Reformator wohl kaum zum „Vater im Glauben“ oder zum „gemeinsamen Lehrer“ erklären, es sei denn, wenn man die Abschaffung der römischen Kirche durch ihre Protestantisierung wünscht oder in der Quadratur des Kreises nichts Widersinniges sieht.

S. 8
Gewollte Dürftigkeit? – Ein kleines Plädoyer für den ‚Triumphalismus’

Der Kampf gegen den sogenannten Triumphalismus ist zweifellos in der Unklarheit über den eigentlichen Daseinssinn der Kirche begründet, der mit dem einseitigen Verständnis ihres Verkündigungsauftrages Hand in Hand geht. Die gewollte Dürftigkeit des päpstlichen Auftretens wird damit begründet, daß die Kirche in einer Welt von Armut und Hunger auch in ihrem ganzen Auftreten und Erscheinungsbild eine Kirche der Armen zu sein habe, diese nur so erreichen und ihrem Verkündigungsauftrag gerecht werden könne. Als ob die Armen ihre eigene Armseligkeit überall wiederfinden und zum universalen Weltprinzip erhoben wissen wollen! Vielmehr sehnen sie sich danach, daß sich irgendwo schon jetzt ein Lichtblick in der trostlosen Dürftigkeit des Daseins auftut, das sie hermetisch zu umschließen scheint. Sie sehnen sich nach einer sichtbaren und anschaulichen Verheißung, daß es irgendwo auch für sie ein Reich gibt, das nicht von der gleichen grauen Banalität gezeichnet ist, unter der sie als sinnenfrohe und nach Glückseligkeit strebende Wesen ohnehin schon ersticken. … Aber das sind Überlegungen, die hier nicht im Vordergrund stehen sollten! Maßgebend ist, daß die Kirche die Aufgabe und die Pflicht hat, ihr Wesen unverfälscht zur Darstellung zu bringen und zu veranschaulichen. Nur indem sie das tut und in ihrer eigenen Gestalt die unverkürzte Kundgabe der Herrlichkeit, der Majestät und des Anspruches
Gottes ist, vermag sie ihn glaubhaft zu verkünden. Der tiefste Grund, warum das Erscheinungsbild von Kirche und Gottesdienst so sehr verkümmert, liegt in der Akzentverlagerung von Gott auf den Menschen und sein irdisches Wohl , die wir seit dem Konzil erleben.

S. 14
Die Zeugen der Auferstehung – Der norwegische Konvertit und Exeget Erik M. Mørstad über die Glaubwürdigkeit der Evangelien

Erik M. Mørstad wurde 1930 als Sohn eines lutherischen Pfarrers in Norwegen geboren. Er studierte protestantische Theologie in Oslo, Göttingen und Uppsala. Wegweisend war ein Studienaufenthalt am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. Nach seinen Studien, vor allem im Alten Testament, wurde er Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule in Oslo. Durch seine Lehrtätigkeit wurde ihm klar, daß das Luthertum nicht länger seine kirchliche Heimat sein könne. Er konvertierte 1974 mit 43 Jahren.
Die KU führte ein Interview mit dem Exegeten über sein neues Buch, das die Spätdatierung der Evangelien in der modernen Theologie zurückweist.

S. 20
Auferstehung des Fleisches“ – Wie die Kirche diese Wahrheit des Credos versteht

Jener Begriff der „carnis resurrectio - der Auferstehung des Fleisches“ wird heute unverständlicherweise offiziell mit „Auferstehung der Toten“ wiedergegeben, was „resurrectio mortuorum“ heißen müßte. Vermutlich steht hinter besagter Abweichung vom Original die Ablehnung einer „Zweiteilung“ des Menschen, nämlich seines Bestehens aus Leib und Seele. „Fleisch“ kann in der Bibel soviel wie „Menschenwelt“ heißen, aber das Substantiv kann schon biblisch genauso gut „die reale Leiblichkeit“ bzw. „den Leib selbst nach seiner Substanz“ bezeichnen. Und letztere Bedeutung ist für das Apostolische Glaubensbekenntnis anzunehmen, wenn es von der ‚Auferstehung des Fleisches’ spricht. Denn dies tut es doch wohl ganz bewußt mit Blick auf den Jüngsten Tag, wo eben die Seele, die nicht dem Tod anheimgefallen ist, wieder mit ihrem Leib, und zwar eben in dessen verklärter Gestalt, vereinigt wird.
In keinem Punkt wird dem christlichen Glauben so vehement, so starrsinnig und polemisch widersprochen wie in der Auferstehung des Fleisches.

S. 3
Ehrfurcht

Es ist nicht das gleiche, ob wir still für uns und außerhalb der Kirche beten, oder ob wir im Gotteshaus an den Gebeten der Kirche teilnehmen. Durch seine Weihe ist das Gebäude ein Thron des erbarmenden Gottes, ist der auserwählte Ort, wo Gott im besonderen das Werk unserer Heiligung vollbringt. Wie der Blitzableiter den Blitz anzieht und dadurch das Leben der Menschen sichert, so läßt die Kirche kraft des Kirchweihritus überall Sühnestätten erstehen, wo Gott versöhnt wird, wo er wohnt, wo sein Herz schlägt, wo wir die Macht seines anbetungswürdigen Namens spüren. In unseren Tagen setzt man oft aus übertriebener Sucht nach Vereinfachung bereits geweihte Steine in die neuen Altäre und läßt neue Kirchen für den Dienst Gottes kurz durch den einfachen Priester einsegnen. Das ist ein Zeichen für mangelnden kirchlichen Sinn und Glaubensstärke.

S. 4
Nachrichten

Das neue Papstwappen: Das Wappen des neuen Papstes wurde am Vorabend seiner Amtseinführung am 19. März der Öffentlichkeit vorgestellt.

Besuch beim Emeritus: Am 23. März, vier Tage nach seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz, besuchte Papst Franziskus seinen Vorgänger in Castel Gandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz. Die äußerst ungewöhnlichen Bilder zweier „Päpste“ – die Realität ist sprachlich nur umständlich zu fassen – gingen um die Welt.

Der höchste Thron – Lateran-Basilika in Besitz genommen: Papst Franziskus hat am vergangenen Weißen Sonntag seine Kathedrale – die Lateran-Basilika – in Besitz genommen. Nach seinem Einzug nahm er erstmals auf seinem römischen Bischofsstuhl Platz. Dieser Akt symbolisiert traditionell seinen Amtsantritt als Bischof von Rom.

Warnung vor dem bösen Feind: In den vergangenen Jahrzehnten waren die Päpste eher nicht mit öffentlichen Erklärungen über den Teufel aufgefallen. Der neue Pontifex hat in seiner kurzen Amtszeit mehrfach auf die Versuchungen des bösen Feindes hingewiesen. Er predigte am Tag nach seiner Wahl in der Sixtinischen Kapelle in freier Rede: „Wir können gehen, wie weit wir wollen, wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO, aber nicht die Kirche, die Braut Christi.“

Liberale Nonnen: Die in der sehr modernistischen „Leadership Conference of Women Religious“ organisierten Ordensfrauen in den USA sind vom Vatikan erneut gerügt worden. Ob sich die Schwestern der Autorität des Heiligen Stuhls beugen, wird bezweifelt.

S. 10
Nachrichten

· Warnende Stimmen werden nicht gehört: Papst Benedikt predigte am 16. April im vatikanischen Gästehaus Santa Martha über den Heiligen Geist. Dabei tadelte er diejenigen, die das Konzil nicht als Aufbruch, sondern als Abbruch begreifen. Angesichts der furchtbaren Glaubenskrise ist es betrüblich, auch vom Obersten Hirten keine Benennung der Ursachen des Zusammenbruchs zu erfahren.

· Papst weiht Pontifikat der Jungfrau von Fatim: Papst Franziskus will sein Pontifikat der Jungfrau von Fatima weihen. Das sagte der Patriarch von Lissabon, S. Em. Jose Kardinal da Cruz Policarpo, den portugiesischen Bischöfen.

· Wähler sollen „im Licht des Glaubens“ handeln: Am 13. Mai finden auf den Philippinen, dem Land mit dem größten Katholikenanteil in Asien, Wahlen statt. Die Bischofskonferenz des Landes hat Wahlprüfsteine veröffentlicht, die den Gläubigen helfen sollen, ihr Gewissen zu bilden.

· Rücknahme kirchenfeindlicher Gesetze: Die Bischöfe Spaniens haben die bürgerliche Regierung des Landes aufgefordert, die von der sozialistischen Vorgängerregierung 2005 legalisierte „Ehe“ für gleichgeschlechtliche Paare sowie die Abtreibungsgesetze sofort abzuschaffen.

· Kardinäle sollen Kurie reformieren: Papst Franziskus hat eine Kommission von acht Kardinälen bestimmt, die Vorschläge für eine Reform der Kirchenleitung machen soll.

· Pius-Bruderschaft: Schwierigkeiten bleiben: Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Weihbischof Bernard Fellay, hat in einem Osterbrief die mit der Bruderschaft verbundenen Katholiken über den Stand der römischen Unterredungen informiert, die in den letzten Monaten ins Stocken geraten sind.

· Vatikanische Briefmarken: Der Vatikanstaat, Argentinien und Italien geben erstmals Briefmarken mit dem Bild von Papst Franziskus heraus.

· Papst trifft 6000 Journalisten: Papst Franziskus hat zu Beginn seines Pontifikates am 16. März ca. 6000 Journalisten in der Vatikanischen Aula begrüßt. In seiner ca. 15minütigen Rede gab er eine Begründung für seine Namenswahl.

S. 30
„Halte mich nicht mehr fest!“ – Wurde Jesus nach der Auferstehung von seinen Jüngern berührt?

Wenn nun nachgewiesen ist, daß im Johannes-Evangelium der verklärte Leib Christi prinzipiell durchaus berührt werden durfte, spielt es keine große Rolle mehr, wie es sich bei der
Thomas-Episode des vierten Evangelisten konkret verhält. Jesus fordert jedenfalls den Zauderer expressis verbis auf, Finger und Hand in seine (verklärten) Wunden zu legen (Joh 20,27). Das wäre ja wohl kaum möglich, wenn der Herr eine solche Berührung seines glorifizierten Körpers a priori strikt abgelehnt hätte.

S. 44
Kirche in der Welt – Wandel als Theologie und Ideologie

Verödende Pfarreien, Priestermangel, völlige Unkenntnis der Glaubenswahrheiten bei den heranwachsenden Katholiken und verfälschende Neuinterpretation dieser Wahrheiten auf den Lehrstühlen, weitgehend und objektiv sakrilegischer Kommunionempfang, weil die Leute nicht mehr zur Beichte gehen und ihnen das Sündenbewußtsein systematisch ausgetrieben worden ist: das ist doch die Bilanz oder auch nur ein winziger Teil von ihr. Und da geht mancher hin und spricht davon, daß Gott längst dabei sei, seine Kirche zu erneuern!
Man kann sehen, daß hier tatsächlich allenthalben eine geradezu magische Verzauberung durch die Vision des Neuen am Werke ist, welche die unentwegten Reformer blind für die ganz banale Tatsache macht, daß man in jedem Falle und in allen Lebensbereichen zunächst prüfen muß, ob das Neue besser als das Alte ist, um ihm den Vorzug zu geben. Zweifellos ist diese Ideologie, die den Wandel zum Selbstzweck macht, auch ein ins Triviale abgesunkener Nachhall von Martin Heideggers und Hans-Georg Gadamers Lehre von
der Geschichtlichkeit der Wahrheit, die soviel Unglück über die Theologie und damit die ganze Kirche gebracht hat.

S. 50
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht – Der Richtige und der falsche Dialog

Ein Vorgehen im interreligiösen Dialog, wie es Lumen Gentium 16 und Nostra Aetate (als Gesamtdokument) an den Tag legen, ist wahrlich kein gutes Vorbild für die Art, wie man mit dem Heidentum ein Gespräch führen soll, wofern es sich wirklich um einen „Dialog der Wahrheit“ und nicht nur um den „Dialog der (oberflächlichen) Liebe“ handeln soll.