März 2015

Titelblatt

S. 26
Die theologischen Wurzeln von Papst Franziskus

In zwei Beiträgen zur Kirchlichen Umschau hatten wir uns ausführlich mit theologischen Ansätzen des regierenden Papstes Franziskus auseinandergesetzt. Dabei mußten wir zunächst einmal feststellen, daß sich der Pontifex nur selten in seinen Aussagen wirklich festlegt, so daß man allzu oft nicht sicher nachweisen kann, was er eigentlich meint und beabsichtigt.
Immer wieder beruft sich Papst Franziskus auf die Bedeutung des „sensus fidelium“, des Glaubenssinnes der Laien. Das ist nicht völlig falsch. Aber sich heute bei Forderungen, die vom Zeitgeist beeinflußt sind, auf die Mehrheit der (formal) katholischen Gläubigen zu berufen, wenn es z.B. um die Freigabe unerlaubter Verhütungsmittel, die Aufhebung des Zölibates oder gar die Einführung des Frauenpriestertums geht, kann nur als theologisch absurd bezeichnet werden. Will der Papst mit der ständigen Beschwörung des Glaubenssinns der Laien etwa auf die Gläubigen auf eine Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zum Altarsakrament vorbereiten? Man wagt sich so etwas ja kaum vorzustellen! Aber wenn man dem regierenden Pontifex nicht eine grenzenlose Naivität unterstellen möchte, wofür es m. E. keinen Anlaß gibt, dann fragt man sich doch nach der Ratio seines Vorgehens: Wieso initiierte er weltweite Umfragen unter den Katholiken und rief dann auch noch eine Römische Synode zusammen, wo in beiden Fällen, wie für jeden vernünftigen Menschen vorherzusehen war, eine Mehrheit für genau solche, letztlich die gesamte Lehre der Kirche unterminierende Neuerungen sich ergab?

S. 6
Dritte Offenbarungsquelle? – Ein Kommentar

Anläßlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz betonte ihr Vorsitzender Reinhard Kardinal Marx vor der Presse: „Wir lernen ja auch in der Lehre vom Leben.“ (DT 26.2.2015) Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sekundierte seinem Mitbruder in dessen Versuch, die Lehre der Kirche an die Lebenswirklichkeit der Menschen anzupassen, und sprach dabei mit Blick auf die Römische Synode des vergangenen Herbstes mit ihren teilweise unkatholischen Beschlüssen von einem allgemeinen „Paradigmenwechsel“. Die Grundfrage, die jetzt gestellt werden müsse, sei nämlich, „ob nicht nur Schrift und
Tradition Quellen der theologischen Erkenntnis seien, sondern auch die Realität von Menschen und der Welt“. Wir kennen also jetzt nicht mehr nur die Heilige Schrift und die mündliche Tradition als Quellen der Offenbarung bzw. der katholischen Lehre, sondern auch das „Leben“. Damit wäre natürlich das gesamte dogmatische Gebäude der Kirche zum Einsturz zu bringen.

S. 8
„Sexuelle Vielfalt“ im Unterricht: ein Nachtrag

Wie schon in der Januarausgabe der KU berichtet, haben mehrere deutsche Bundesländer im Erziehungswesen die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zur Leitperspektive gemacht und bereits in den Lehrplänen der  Schulen fest verankert. Für große Aufregung hat jetzt der Entwurf sogenannter „kindgerechter Unterrichtsmaterialien gesorgt, das unter dem Titel „Methodenschatz für Grundschulen zu Lebens- und Liebesweisen“ als Teil des Programms „Echte Vielfalt – Aktionsplan für Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten Schleswig-Holstein“ ins Internet gestellt worden ist. Eine Kostbarkeit aus der „Methodenschatzkiste“
ist ein Lückentext-Diktat, das wie folgt beginnt: „„Familien sind verschieden. Manchmal gibt es einen Papa oder eine Mama. Hin und wieder gibt es einen Papa und eine Mama… Manchmal gibt es zwei Mamas oder zwei Papas. Gelegentlich gibt es einen Papa, der früher einmal eine Frau war, oder eine Mama, die früher einmal ein Mann war.“ Der Normalfall, nämlich Kinder, die bei Vater und Mutter aufwachsen, wird in der Rubrik „hin und wieder“ verbucht.

S. 12
Politische Konsequenzen des Schöpfungsglaubens

Das Bekenntnis des Glaubens an den allmächtigen Vater, seinen eingeborenen Sohn, durch den alles geschaffen ist, und den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, ist ein Erkennungszeichen aller Christen. Wer diese ‚Parole‘ nicht bekennen kann, ist kein Christ, wie groß, gut oder liebenswürdig er auch sein mag. Wird der Schöpfungsglaube mehr oder weniger explizit verneint, können sich politische Folgen ergeben, die vielleicht nicht nur Christen Sorgen machen. Welche Folgen hat das Schwinden des Schöpfungsglaubens? Was kann ihn wieder leuchten lassen?

S. 4
Sonne der geistlichen Übungen

„Das hochheilige und erhabene Meßopfer ist der Mittelpunkt der christlichen Religion, das Herz der Frömmigkeit und die Seele der Andacht. …  Ist es dir aber ganz unmöglich, an der Feier dieses hochheiligen Opfers leibhaftig und wirklich teilzunehmen, so schicke wenigstens dein Herz hin, nimm im Geist daran teil!“ (Hl. Franz von Sales)

S. 5
Vor 500 Jahren wurde die Hl. Theresa geboren

Theresia starb 1582 während einer Visitationsreise im Karmelitinnenkloster Alba de Tormes. Man begrub sie in der bloßen Erde. Als man den Leichnam zwei Jahre später wieder ausgrub, um ihn in einem noch heute erhaltenen Sarkophag in der Klosterkirche zu bestatten, war er unversehrt. 1614 wurde sie von Papst Paul V. seliggesprochen, 1617 zur Schutzpatronin von Spanien ernannt und 1622 heiliggesprochen. Ihr liturgischer Festtag ist der 15. Oktober.

S. 5
Neuer Erzbischof von Malta

Papst Franziskus hat Msgr. Charles Scicluna zum neuen Erzbischof von Malta ernannt. Der 1959 in Kanada geborene Maltese Scicluna hat von 1995 bis 2012 am obersten Vatikangericht bzw. in der römischen Glaubenskongregation gearbeitet.

S. 7
Armenien – Gedenken an den Völkermord

Der Publizist Michael Hesemann hat ein neues Buch zum Völkermord an den Armeniern vorgelegt. Am 24. April 2015 jährt sich zum 100. Mal der Beginn dieses Genozids, bei dem weit mehr als eine Million Menschen ­ Armenier, Griechen, Nestorianer und andere Christen ­ ums Leben kamen.

S. 10
Lebendige Tradition – Dominikanerinnen von Fanjeaux

Die traditionstreuen Schul-Dominikanerinnen von Fanjeaux (Frankreich) feierten ihr 40jähriges Jubiläum mit 200 Schwestern und 1.000 Schülerinnen mit einer einwöchigen Wallfahrt nach Rom.

S. 10
Kämmerer der Heiligen Römischen Kirche

Papst Franziskus hat Kardinal Jean-Louis Tauran zum Camerlengo (Kämmerer) der Heiligen Römischen Kirche ernannt und ihm den Amtseid abgenommen.

S. 44
Was ist Philosophie?

Der Mensch – wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit der Sozialnatur des Menschen.

S. 50
Heiliger des Monats  -Der Friedensstifter, Theologe und Wanderprediger Sel.Ambrosius Sansedoni

1237 nahm er den Habit des Predigerordens im berühmten Konvent San Domenico in Camporegio, der bis heute das Stadtbild von Siena prägt. Seinen Zeitgenossen fielen die diplomatischen Fähigkeiten und seine Liebe zum Frieden auf. Seiner Überzeugungskraft zum Frieden konnte sich keiner entziehen. Als der Gerechtigkeit dienend wurden die Kreuzzüge gegen den aggressiven Islam gesehen, deren offizieller Prediger Ambrosius Sansedoni im Auftrag des Papstes wurde. Der Wahl zum Bischof seiner Heimatstadt widerstand Ambrosius beharrlich, so wie es der Wille seines Ordens war. Hervorgehoben wird von seinen Biographen, daß er inmitten der vielfältigen Verpflichtungen, die ihn zu Orten außerhalb der Klostermauern zerrten, immer der treue Ordensmann blieb.

S. 53
Neuevangelisierung – Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht (Teil 32): Ist die rabbinisch-talmudische Lesart des Alten Testaments der christlichen gleichberechtigt?

In der letzten Nummer der KU (2/15) wurde gezeigt, daß die ausführliche Stellungnahme der Bibelkommission vom Jahre 2001 glaubten, auf das heutige Judentum zugehen zu können, indem sie polemische Passagen des Neuen Testaments zu entschärfen versuchten. Die Bibelkommission ging nun leider sogar noch einen Schritt darüber hinaus. Sie ließ auf S. 55 verlautbaren: „Die Christen können und müssen zugeben, daß die jüdische Lesart der Bibel eine mögliche Lesart ist (sic!) Im Original heißt es: „une lecture possible“), die sich in Kontinuität zu den jüdischen Heiligen Schriften der Epoche des zweiten Tempels befindet, eine Lesart, analog zur christlichen Lesart, die sich parallel entwickelt hat.“ Hier werden praktisch die christliche Tradition und der Talmud bzw. dessen Quellen auf eine Ebene gestellt. Demgegenüber lehrt das göttlich  inspirierte Neue Testament zum Verständnis des Alten Testaments durch diejenigen Juden, die Jesus von Nazareth, ihren und unseren Messias, ablehnen, wie wir früher schon gesehen haben: „Bis auf den heutigen Tag liegt, wenn Moses gelesen wird, ein Schleier auf ihrem Herzen. Sobald es (Israel) sich aber zum Herrn bekehrt, wird der Schleier weggenommen“ (2 Kor 3, 15 f.).