Juni 2015

Titelblatt

S. 14
Im Herzen Jesu wird das Vaterherz offenbar – als Quelle und ewige Bestimmung aller Liebe

Vom erhabenste Geheimnis Gottes, nämlich wie Er in sich selbst ist, haben wir Kenntnis allein durch die Selbstoffenbarung Gottes. Dieses Geheimnis besteht darin, daß Gott in Seinem innersten Leben wesenhafte „Liebe“ ist. Franz von Sales führt in einer Predigt aus, daß die „gegenseitige Liebe“ von Vater und Sohn eine dritte Person hervorbringt, den Heiligen Geist. Wie ein Stein, der ins ruhige Wasser fällt, immer weitere Kreise zieht, so möchte der dreifaltige Gott, daß Seine Liebe auch außerhalb Seiner selbst immer weitere Kreise ziehe. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen läßt ihn von Gott in besonderer Weise geliebt und angenommen sein. Die sichtbare Schöpfung ist für den Menschen geschaffen, um ihm dienstbar zu sein, der Mensch aber ist auf Gott hin geschaffen, zu Seiner größeren Ehre. Daraus ergibt sich die fundamentale Wahrheit unseres Lebens, daß wir dazu berufen sind, auf die Liebe, die wir selbst vom Vater empfangen, mit Gegenliebe zu antworten. Aus reiner
Gnade aber hat der Mensch von Gott eine noch viel höhere Bestimmung erhalten: Nach dem Willen Gottes soll der Mensch seinen Schöpfer lieben mit derselben göttlichen Liebe, die Vater und Sohn einander schenken! Er soll hineingezogen werden in den innergöttlichen Liebesaustausch des Vaters und des Sohnes, der sich im Heiligen Geist vollzieht. Lassen auch wir uns immer mehr
zur Ganzhingabe bewegen angesichts der gekreuzigten Liebe, die „alles Erkennen übersteigt“ (Eph 3,19), weil sie uns die wesenhafte, ungeschaffene Liebe des Vaterherzens offenbart, die über uns waltet:

S. 8
Wohin steuert die europäische Wertegemeinschaft?

Mitte März dieses Jahres hat das Europäische Parlament den Bericht des belgischen Sozialisten Marc Tarabella „über die Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU“ verabschiedet, in dem Abtreibung als „grundlegendes Menschenrecht“ bezeichnet wird.
Das „Menschenrecht auf Abtreibung“ ist nur ein Mosaikstein innerhalb eines umfassenden strategischen Gesamtkonzepts zur gesellschaftlichen Transformation: Dem staatlichen Gesetzgeber das Recht
einzuräumen, willkürlich festzusetzen, wer Mensch im Sinne des Gesetzes ist bedeutet, den Menschenrechten ihren Charakter als Grundrechte nehmen. Niemand (!) ist dann mehr seines Lebens sicher!

S. 24
Weinerliche Betroffenheit – Der Kult des Gewissens und die neue Moral

Drei Dinge sind es, die die Berufung auf das eigene Gewissen heute im kirchlichen Bereich verunstalten:
1. die Zerstörung der Rechtssicherheit auch in wichtigsten moralischen Fragen, besonders bei der Beichte, wo kaum noch einer etwas mit dem Unterschied von leichter und schwerer Sünde anfangen kann. Hinzu kommt ganz allgemein der Eindruck, daß die Kirche auch in wichtigen moralischen Fragen ihrer Sache nicht mehr sicher ist und mit gespaltenen Zungen redet.
2. daß eine nicht zu unterschätzende Zahl progressiver Moraltheologen heute mit besonderem Elan das Grundprinzip der katholischen Morallehre bekämpfen, daß es in sich schlechte Handlungen gibt, die auch durch noch so viele mildernde Begleitumstände nichts von ihrer wesenhaften Schlechtigkeit verlieren. Offenbar muß man erst Fachmann sein, um an dieser Selbstverständlichkeit seine „wissenschaftlich begründeten“ Zweifel anmelden zu können.
3. der einsichtige Grundsatz, daß das sittlich gut ist, was der menschlichen Natur entspricht, vorausgesetzt, daß unter der „menschlichen Natur“ das ganze und ganzheitlich bestimmte, geistbestimmte Wesen des Menschen zu verstehen ist.
Es ergibt sich, daß die innerkirchlichen Wegbereiter einer neuen, bisher in der Kirche unerhörten und unbekannten Autonomie des Gewissens, die es als absolute Instanz noch über jene drei unabdingbaren Grundsätze stellen, ihm in Wirklichkeit einen Bärendienst erweisen. Denn sie bürden ihm die Beweislast auf, die ansonsten jene drei Prinzipien haben.

S. 30
Naturwissenschaftliche Perspektiven des Schöpfungsglaubens

Der Schöpfungsglaube der Christen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und die Vorstellungen vom rechten Zusammenleben der Menschen stehen nicht unverbunden nebeneinander. Ihr Verhältnis ist seit Jahrhunderten spannungsreich. Sie in ihrem inneren Zusammenhang zu sehen und gedanklich zu durchdringen, bleibt eine Herausforderung, die sich gerade heute stellt.

S. 0
Komplizen des „IS“

Der Patriarch der katholischen Syrer hat bei einem Besuch bei geflüchteten Familien seiner Herde in Frankreich die Situation der Christen im Irak und in Syrien als „dramatisch“ bezeichnet. „Es geht um unser Überleben. Man kann von Hekatomben von Toten sprechen. Der Westen, der sich doch als Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten ausgibt, hat sich zum Komplizen gemacht.“

S. 0
Warnung aus Rom

Der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat die Ehelehre der Kirche verteidigt. Das fatale „Ja der Iren“ bedeute eine „Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie“. Die Mehrheit sage nichts über die Wahrheit aus. „Die Wahrheit wird sich durchsetzen, wenn auch unter großen Opfern“, zeigte sich Müller überzeugt.
Kardinal Müller warnte davor, die Glaubenswahrheit der Kirche an „irgendwelche Lebenswirklichkeiten“ anzupassen. „Wenn man diese so genannte Lebenswirklichkeit jetzt auf dieselbe Stufe stellen will wie Schrift und Tradition, dann ist das nichts anderes als die Einführung des Subjektivismus und der Beliebigkeit, die sich sentimental und selbstgefällig in fromme Worte hüllen.“

S. 0
Irland – ein ehemals katholisches Volk

Irland galt früher als die „Insel der Heiligen und Rebellen“, als so etwas wie ein katholisches Musterland. Jetzt zeigt sich ein völlig anderes Bild: In ganz Europa jubilieren die gleichgeschalteten Medien über das Ergebnis des Referendums über die Zulassung der Homo-„Ehe“ im „katholisch geprägten Irland“, ein Ergebnis, das nichts weiter als katastrophal ist. Katastrophal auch, weil es ein erschreckendes Licht auf die Verhältnisse in der Kirche in Irland wirft, auf die Herde, vor allem aber auf die Hirten.

S. 0
Jean Madiran - Briefe an Papst Paul VI. vom 27. Oktober 1972

„(…) kein Papst kann ohne Machtmißbrauch den tausendjährigen Ritus der katholischen Kirche, der durch das Konzil von Trient kanonisiert wurde, mit einem Verbot belegen. Es wäre Gehorsam gegen-
über Gott und der Kirche, einem solchen Machtmißbrauch zu widerstehen, wenn er tatsächlich geschähe, und nicht, ihn schweigend zu ertragen (…). Heiliger Vater, stärken Sie die Priester und die Laien in ihrem Glauben und in ihrem guten Recht, die trotz der Fremdbesatzung der Kirche durch die Partei des Glaubensabfalls treu an der Heiligen Schrift festhalten, am römischen Katechismus, an der katholischen Messe. (…)“

S. 4
Sühnegebet zum Herzen Jesu

Gütigster Jesus, Deine übergroße Liebe zu uns Menschen wird mit soviel Verachtung, Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und mit schmachvollem Undank vergolten. Siehe, wir werfen uns vor Deinem Altare nieder, um die sündhafte Lauheit der Menschen und das Unrecht, das sie Deinem liebevollen Herzen überall zufügen, durch eine besondere Huldigung zu sühnen. Leider gehörten auch wir einst zur Zahl dieser Unwürdigen; aber heute erflehen wir, von tiefstem Reueschmerz durchdrungen, Deine Barmherzigkeit vor allem für uns selbst.

S. 4
Ein Wort zur Freizeit

„Geist und Körper verlangen von Zeit zu Zeit nach Entspannung durch irgendeine Erholung. … Sich ins Freie begeben, spazieren gehen, sich fröhlich und heiter unterhalten, auf der Gitarre oder einem anderen Instrument spielen, singen oder jagen, das alles sind anständige Erholungen und es bedarf nur des gesunden Menschenverstandes, um dabei vernünftig zu bleiben und jedem Ding seine Zeit, seinen Ort, sein Maß und seine Bedeutung zu lassen.“ (Hl. Franz von Sales)

S. 5
Die Katholikenzahl in den USA nimmt ab

Der Anteil religiös gebundener Menschen unter den gut 317 Millionen Einwohnern der USA hat sich in den zurückliegenden Jahren verringert. Der Abwärtstrend trifft – durch Austritte oder Religionswechsel – vor allem die katholische Kirche.

S. 44
Was ist Philosophie? (Teil VII)

Was ist Philosophie? Was ist der Mensch? Wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit der menschlichen Freiheit.

S. 48
Unter Nero – Die Protomartyrer der Römischen Kirche

Bei der Reform des Martyrologiums im 16. Jahrhundert wurde das Gedächtnis jener „ungeheuren Schar“, die Nero, ermordet am 9. Juni 68 n. Chr., aus Haß gegen den christlichen Namen hatte töten lassen, auf den 24. Juni festgesetzt. „Kaiser Nero klagte sie fälschlich an, um den Verdacht der Brandstiftung Roms von sich abzulenken, und ließ sie auf verschiedene Weise grausam töten. Die einen wurden in Tierhäute eingenäht und den wütenden Bissen der Hunde ausgesetzt; andere wurden gekreuzigt; wieder andere mußten bei Einbruch der Dunkelheit als Fackeln dienen und wurden verbrannt. Sie alle waren Schüler der Apostel und bildeten die Erstlingsgabe an Martyrern, welche die Christengemeinde von Rom, die fruchtbare Mutter so vieler Blutzeugen, noch vor dem Tode der Apostel
dem Herrn schenkte.“

S. 50
Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht – Teil 35: Jesus, ein Lehrer der rabbinischen Tradition?

Wenn man sich Christi Worte im 8. Kapitel des Johannes-Evangeliums und andere Passagen im Neuen Testament anschaut (vgl. KU 5/2015), dann kann man sich der Erkenntnis wohl kaum entziehen, daß Jesus mit einem ungeheuerlichen Anspruch auftrat: dem Anspruch nämlich, die Verheißungen des Alten Bundes nicht nur korrekt im Sinne Gottes und nicht etwa als privater Lehrer auszulegen, sondern sie darüber hinaus sogar noch selbst zu erfüllen. Bei allem Verständnis für die moderne Tendenz, „das Jüdische“ in Jesus Christus wiederzuentdecken, ist es doch, selbst wenn man seinem Anspruch nicht zustimmen sollte, ganz unverständlich, wie man heute immer wieder behaupten kann, daß er mehr oder minder ein „normaler Jude“ gewesen sei.