Dezember 2016

Titelblatt

S. 0
Treue katholischen Glauben, nicht Nostalgie! – Ein Kommentar von Dr. Heinz-Lothar Barth

Am 10. November 2016 wurde im Vatikan ein Buch vorgestellt, das ein Interview zwischen Papst Franziskus und dem progressistischen Jesuitenpater Antonio Spadaro wiedergibt. Pater Antonio Spadaro fragt den Pontifex im Interview u.a. nach dem Bedürfnis einiger Gläubigen, zur lateinischen Sprache und der alten Form der Liturgie zurückzukehren. „Papst Benedikt hat eine richtige und großzügige Geste vollzogen, indem er auf eine gewisse Mentalität verschiedener Gruppen und Menschen zugegangen ist, die nostalgisch waren und sich entfernt hatten“, so Papst Franziskus über die vatikanische Annäherung an die Priesterbruderschaft St. Pius X. während des vergangenen Pontifiates. „Aber das ist eine Ausnahme.“ In der Vergangenheit war vor allem vom Präfekten der Liturgiekongregation, Kardinal Robert Sarah, eine ‚Reform der Reform’ vorgeschlagen worden. Das aufgreifend formuliert der Papst im Interview mit P. Spadaro: „Von einer Reform der Reform zu sprechen, ist ein Irrtum“.

S. 9
Die Große Häresie

Das Jahr 2017 wird als Luther-Gedenkjahr begangen. Im Jahr 1517 begann die Glaubensspaltung in Europa. Welche Haltung müssen wir als Katholiken gegenüber der sog. „Reformation“ einnehmen. Entnehmen wir die Kriterien der Bewertung dem Katechismus, dem „Kompendium der christlichen Lehre“, das der hl. Papst Pius X. für die Diözese Rom herausgegeben hat: „Gegenwärtig bezeichnet der Name Protestantismus nicht mehr einen einheitlichen und verbreiteten Glauben, sondern birgt in sich eine monströse Masse privater und persönlicher Irrtümer, vereinigt in sich alle Irrlehren und zeigt alle Formen der Empörung gegen die heilige katholische Kirche.“

S. 30
Der Islam als extreme politische Religion

Es war der Philosoph und Politologe Eric Voegelin (gest. 1985 in Kalifornien), der in einem 1938 erschienenen Buch den Begriff der „politischen Religion“ geprägt hat: Damit deutete Voegelin die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts wie Nationalsozialismus und Kommunismus vornehmlich als säkularisierte Formen apokalyptischer Erlösungs- und Heilslehren. In der Tat gibt es in Strukturen, Funktionsweisen und Grundideen des Kommunismus und des Nationalsozialismus deutliche Parallelen zu denen von Religionen: So sahen die totalitären Wortführer sich und ihre Bewegung als säkulare Erlöser, als neue Heilande der modernen Welt, in ihrem Kampf ging es um die vollständige Ausrottung des Bösen und die Schaffung eines irdischen Paradieses. Als eine extreme politische Religion im Sinne Voegelins kann auch der moderne Islamismus charakterisiert werden, der sich zwar in unterschiedliche Richtungen und Gruppierungen gliedert, jedoch ein den europäischen politischen Religionen vergleichbares gemeinsames Weltbild aufweist.

S. 4

„Das Wunder, das auf unserer Erde geschah Ein neues Wunder hat Gott unter den Erdbewohnern bewirkt: Der den Himmel mit seiner Spanne mißt, liegt in der Krippe nur eine Spanne groß. Der das Meer mit seiner hohlen Hand faßt, dessen Geburt erfolgte in einer Höhle. Der Himmel ist voll seiner Herrlichkeit, und die Krippe ist voll seines Glanzes. Moses wünschte die Herrlichkeit Gottes zu sehen, vermochte ihn aber nicht so zu sehen, wie er wünschte. Er mag heute kommen und ihn sehen, denn er liegt in einer Krippe in Windeln.“ (Hl. Ephräm der Syrer, 4. Jh.)

S. 4
Heilige Pforte wieder geschlossen

Die Heilige Pforte im Petersdom ist wieder fest verschlossen: Am 29. November um 18 Uhr haben Arbeiter der „Fabbrica“, der vatikanischen Dombauhütte sie zugemauert. Papst Franziskus hatte die Pforte am Ende des Außerordentlichen Heiligen Jahres in einem feierlichen Akt. Das nächste reguläre Heilige Jahr ist 2025.

S. 5
Die Gesellschaft Jesu schrumpft weiter

Wenige Monate vor der 36. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu, die auch einen neuen Ordensgeneral wählte, wurde die aktuelle Statistik mit den aktuellen Mitgliedszahlen bekannt.

S. 5
Neue Kommunikationsstrategie

Papst Franziskus hatte 2015 angekündigt, den Medienauftritt des Vatikans zu verändern und auch neue Kommunikationsstrategien einzusetzen. Dafür wurde nun das Amt eines „Kommunikationsministers“ des Papstes geschaffen.

S. 5
Die ‚Alte Kirche‘ war ihm lieber.

Am Fest Mariä Opferung (21. November) ist Msgr. Max Ziegelbauer, Weihbischof in Augsburg, im 93. Lebensjahr und im 67. Jahr seines Priestertums im Klinikum Memmingen verstorben. Dem traditionstreuen Widerstand war er mit Rat und Tat zugetan. Requiescat in pace.

S. 5
Dokumentation über Widerstand neu aufgelegt

Es hat sehr lange gedauert, bis das segensreiche Wirken der „Erzbischöflichen Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien“ dokumentarisch festgehalten und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Es ist um der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses willen angebracht, den Nachweis zu erbringen, daß die sog. ‚Amtskirche’, wie viele sie heute zu nennen belieben, nicht nur Nächstenliebe gepredigt, sondern sich auch ganz „offiziell“ der Not der Verfolgten, Geächteten und dem Tode geweihten jüdischen Mitbürger angenommen hat.

S. 6
„Beten wir inbrünstig um ihre Bekehrung“

Am 1. Dezember 1916 wurde der „Einsiedler des Herzens Jesu“, der Priester Charles de Foucauld in seiner Klause im algerischen Ahaggar-Gebirge von aufständischen Tuareg erschossen. Auf die Frage „Können die Muslime wirklich Franzosen werden und in die Französische Republik integriert werden?“ antwortete er kurz vor seinem Tode: „Im Ausnahmefall ja; aber nicht im allgemeinen. (Ein Muslim) ist davon überzeugt, daß alle nichtislamischen Völker, früher oder später, bestimmt von ihm oder seinen Nachkommen unterworfen sein werden. (…) Die einzige Möglichkeit, um aus ihnen wirkliche Franzosen zu machen, besteht darin, daß sie Christen werden! Also beten wir inbrünstig um ihre Bekehrung! – Das Gebet ist eine Macht!“

S. 6
Untersuchung von Mißbrauchsvorwurf

Die „Rheinische Post“ berichtete am 26. November 2016, die im Vorjahr öffentlich gewordenen Mißbrauchsvorwürfe gegen Bischof Heinrich Maria Janssen (1907–1988) von Hildesheim seien von einer privaten Arbeitsgruppe untersucht worden. Das Ergebnis ihrer Untersuchung: „Für die Anschuldigungen gibt es nicht die Spur eines Beweises.“

S. 7
3000 Frauen beraten

Bis Mitte November wandte sich die dreitausendste Frau des Jahres 2016 an die Beratung von „1000plus“. Damit hat das Netzwerk der Lebensrettung schon im Herbst sein Jahresziel erreicht: 3.000 Frauen die Information, Beratung und Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um ein Ja für ein Leben mit ihrem Baby zu finden.

S. 8
Ordentliche Beichtvollmacht verlängert

Am 21. November 2016 veröffentlichte der Pressesaal des Heiligen Stuhles den Apostolischen Brief „Misericordia et misera“, der von Papst Franziskus am Vortag unterzeichnet wurde. In Paragraph 12 des Dokumentes verlängert der Heilige Vater die den Priestern der Priesterbruderschaft St. Pius X. am 1. September 2015 verliehene Beichtvollmacht über das Jahr der Barmherzigkeit hinaus

S. 8
China: Kardinal warnt Vatikan vor Verrat am Herrn

S. Em. Joseph Kardinal Zen Ze-kiun war von 2002 bis 2009 Bischof von Hong-Kong. Seit einigen Monaten tritt der mutige Kritiker des Kommunismus offen gegen die vatikanische Entspannungspolitik gegenüber dem Regime und der von ihm gelenkten „Patriotischen Vereinigung der Katholiken“ vor.

S. 10
Das unbeschreibliche Werk der göttlichen Liebe

Papst Leo der Große (390-461) über das Weihnachtsfest: „So ist das Wort Gottes, Gott, Gottes Sohn, der im Anfang bei Gott war, durch den alles gemacht worden ist und ohne den nichts gemacht wurde, Mensch geworden, um den Menschen vom ewigen Tode zu befreien. Dabei hat er sich ohne Minderung seiner Majestät in der Weise zur Annahme unserer Niedrigkeit herabgelassen, daß er die wahre Knechtsgestalt mit jener verband, worin er Gott dem Vater gleich ist. Er blieb, was er war, und nahm an, was er nicht war. In der Weise hat er sich herabgelassen, daß er beide Naturen miteinander vereinte, daß weder die Erhebung der niedrigen Natur diese in der göttlichen Natur aufgehen ließ, noch ihre Annahme der höheren Abbruch tat. Indem also die Eigenart beider Wesenseinheiten gewahrt bleibt und sich zu ein und derselben Person verbindet, bekleidet sich die Majestät mit Niedrigkeit, die Stärke mit Schwachheit, die Ewigkeit mit Sterblichkeit.“

S. 11
Schönenberger Sommerakademie – Ein Erlebnis von unschätzbarem Wert

In Schönenberg in der Nähe von Bonn, findet sich das Sankt-Theresien-Gymnasium. Schon die allererste „Berührung“ mit dem „Äußeren“ dieser Schule versetzt in eine außergewöhnliche Stimmung. Das, was danach kommt, überschreitet die Erwartungen – eine durchaus katholische Welt in einem Lande der Apostasie. Die Zeit läuft hier anders. Das Übernatürliche tritt an die erste Stelle, die Lebens-Prosa ist gezwungen, in der Warteschlange zu stehen.
Hier organisieren Raphaela und Dr. Heinz-Lothar Barth schon seit 1996 die Schönenberger Sommerakademien. Die Teilnahme an der Akademie gibt Gelegenheit, sich mit einigen theologischen Fragen auseinanderzusetzen, für die man im alltäglichen Leben meistens keine Zeit hat. Dieses sommerliche Akademikertreffen ist eine Quelle des „unzeitgemäßen“ Wissens.

S. 16
Der Papst, der nicht seines Amtes walten will

Neben den Kardinälen Meisner und Brandmüller sind der US-amerikanische Purpurträger Raymond Leo Burke sowie der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra Unterzeichner eines Briefes an den Papst. Sie fordern vom Pontifex eine Klärung, ob eine Kommunionzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen nach seinem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ nun in Ausnahmefällen möglich sei. Die Veröffentlichung des Briefs begründeten die vier Kardinäle damit, daß Papst Franziskus entschieden habe, ihnen nicht zu antworten, und sie die weitere Debatte über dieses Thema fördern wollten. Die Kirche ist zweifellos in einer schweren Krise. Vier Kardinäle haben dem Papst eine Frage gestellt. Die Nichtbeantwortung stellt das Gewissen der Katholiken auf eine schwere Probe. Es ist in der Kirchengeschichte selten, daß ein Papst sich weigert, sein Amt auszuüben.

S. 17
Der Brief der vier Kardinäle an den Papst mit einer notwendigen Vorbemerkung

An den Heiligen Vater Franziskus und zur Kenntnis an Seine Eminenz Kardinal Gerhard L. Müller …

S. 24
Eine prophetische Stimme von vier Kardinälen der Heiligen Römischen Katholischen Kirche

Indem sie eine Anfrage auf Klärung einer Frage gestellt haben, die zugleich die Wahrheit und die Heiligkeit der drei Sakramente der Ehe, der Buße und der Eucharistie betrifft, haben die vier Kardinäle nur ihre grundlegende Pflicht als Bischöfe und Kardinäle erfüllt, die darin besteht, aktiv daran mitzuwirken, daß die durch die Apostel weitergegebene Offenbarung heilig bewahrt und treu interpretiert wird. Es war vor allem das Zweiten Vatikanische Konzil, das alle Mitglieder des Bischofskollegiums, als rechtmäßige Nachfolger der Apostel, an ihre Pflichten erinnert hat. Die ganze Kirche sollte in unseren Tagen über die Tatsache nachdenken, daß der Heilige Geist nicht umsonst den heiligen Paulus inspiriert hat, im Brief an die Galater über seine öffentliche Zurechtweisung des Petrus zu schreiben. Man muß Vertrauen haben, daß Papst Franziskus diesen öffentlichen Appell der vier Kardinäle im Geist des Apostels Petrus annimmt, als ihm der heilige Paulus, für das Wohl der Kirche, eine brüderliche Zurechtweisung anbot.
Seite 28: Erläuterung zum Fall von Papst Liberius (✝ 366)
Es ist eine klare Tatsache, daß Papst Liberius während einer bestimmten Zeitperiode aus Gründen der Kirchenpolitik die Zweideutigkeit einer doktrinellen Klarheit vorgezogen hat. Ein Papst kann als privater Lehrer Irrtümer in der Lehre begehen kann. Er kann auch Irrtümer begehen, wenn er nicht die Absicht hat, in endgültiger Weise eine Lehre vorzutragen, also nicht definitive lehrmäßige Aussagen macht.
Diese Tatsache kann man auch anwenden auf das Problem, daß einige objektive Irrtümer in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils zu finden sind. Dieser Umstand widerspricht nicht dem Charisma der Unfehlbarkeit des Papstes oder eines ökumenischen Konzils, weil die Unfehlbarkeit nur dann gegeben ist, wenn der Papst oder ein Konzil den ausdrücklichen Willen bekunden, eine Glaubenswahrheit defiitiv als Dogma bzw. „ex cathedra“ allen Gläubigen verbindlich vorzulegen. Dieser Fall war bei Papst Liberius nicht gegeben, ebensowenig beim Zweiten Vatikanischen Konzil oder beim Dokument „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus.

S. 40
Mutter Gottes

In den Evangelien wird Maria „Mutter Christi“ genannt, und es wird gesagt, sie sei Mutter des Kindes in der Krippe. Nirgends aber wird sie „Mutter Gottes“ genannt. Außerdem ist Christus nur seiner göttlichen Natur nach Gott. Seine göttliche Natur aber hat er nicht von Maria empfangen, sondern von seinem Vater im Himmel. Und schließlich gilt die Bezeichnung „Gott“ für alle drei Personen, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Wäre Maria „Mutter Gottes“, dann würde daraus folgen, daß sie Mutter des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes wäre – und das ist offensichtlich falsch. Diese drei Einwände legt der heilige Thomas vor und stellt ihnen ein Wort des Konzils von Ephesus entgegen.

S. 42
Was ist Philosophie? Teil XXIV

Was ist Philosophie? Was ist der Mensch? Wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit den beiden Kardinaltugenden Zucht und Maß und der Tapferkeit.

S. 50
„Nicht nach Osten, sondern nach Westen blicken!“ – Die hl. Francesca Saveria Cabrini, die Mutter der „Italo-Amerikaner“

Im Jahr 1951 erschien die Apostolische Konstitution „Exul familia“ von Papst Pius XII. über die geistliche Betreuung der Auswanderer: „Wie ein Stern glänzt auf diesem Gebiete die heilige Francesca Saveria Cabrini, die ... auf das Wort Papst Leos XIII. seligen Andenkens, der ihr geraten hatte, nicht nach Osten, sondern nach Westen zu blicken, sich entschloß, nach Amerika zu gehen, und dort mit solcher Liebeskraft in ihren Unternehmungen ausharrte, daß sie die reichsten Erfolge buchen konnte und wegen ihrer hervorragend liebevollen Gesinnung gegen die ausgewanderten Italiener und wegen der staunenswerten Arbeiten mit Recht ‚Mutter der auswandernden Italiener‘ genannt worden ist.“

S. 52
Neuevangelisierung: Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht Teil 49 – Exegese der messianischen Psalmen

Der engste Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament, den Gelehrte wie Notger Slenczka zerstören oder zumindest beschädigen, zeigt sich u. a. darin, daß die Psalmen, jenes zentrale Gebetbuch sowohl des alten Gottesvolkes, nämlich Israels, als auch des neuen, d. h. der Kirche, von den Christen immer auch in ihrer prophetischen Dimension theoretisch gesehen und in der Praxis so gebetet wurden.