Juli/August 2015

Titelblatt

S. 10
Progressisten wittern Morgenluft – Papst Franziskus soll Entscheidung seines Vorgängers zum Karfreitagsgebet revidieren

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, stellte jüngst an Papst Franziskus die Forderung, für die lateinische Liturgie nach dem Missale von 1962 auf das von seinem Vorgänger neu geschaffene Karfreitagsgebet für die Juden zu verzichten und den Text aus der reformierten Messe von 1970 zu übernehmen. Bischof Heinrich Mussinghoff unterstütze Schuster ausdrücklich in diesem Anliegen. Wenn man hier keine Änderungen vornehme, werde der christlich-jüdische Dialog belastet. Außerdem verlangte Mussinghoff „einen endgültigen Schlußstrich unter die Verhandlungen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft“.

S. 8
Die Warnung eines Erzbischofs - „Islamischer Staat“ auf dem Vormarsch

Anfang August 2014 schrieb der Oberhirte der chaldäisch-katholischen Erzeparchie Mossul, Erzbischof Amel Nona, folgenden „offenen Brief an die Menschen des Westens“:
„Unser heutiges Leiden ist ein Vorgeschmack darauf, was ihr Europäer und Christen in naher Zukunft erleiden werdet. Ich habe mein Bistum verloren. Die Räumlichkeiten meines Apostolats wurden von islamistischen Radikalen besetzt, die uns entweder konvertiert oder tot sehen wollen. Doch meine Gemeinde ist noch am Leben. Bitte versucht uns zu verstehen. Eure liberalen demokratischen Prinzipien sind hier nichts wert. Ihr müßt die Realität im Nahen Osten bedenken, denn ihr heißt eine stetig wachsende Anzahl von Muslimen in euren Ländern willkommen. Doch auch ihr seid in Gefahr. Ihr müßt feste und mutige Entscheidungen treffen, auch um den Preis, euren Prinzipien zu widersprechen. Ihr glaubt, alle Menschen seien gleich, aber das stimmt nicht: Der Islam sagt nicht, daß alle Menschen gleich sind. Eure Werte sind nicht die seinigen. Wenn ihr das nicht schnell genug versteht, werdet ihr Opfer des Feindes, den ihr bei euch zu Hause willkommen geheißen habt“.

S. 18
Die Sendung des heiligen Philipp Neri – Zum 500. Geburtstag des zweiten Apostels Roms

Am 21. Juli 2015 feiert die Kirche den 500. Geburtstag des hl. Philipp Neri, dem sie den Ehrentitel „Zweiter Apostel Roms“ verliehen hat. John Henry Newman
(1801–1890), der nach seiner Konversion selbst Oratorianer wurde, später den Kardinalspurpur erhielt und von Benedikt XVI. 2010 ins Buch der Seligen eingetragen wurde, hat eine berühmte Predigt „über die Sendung des hl. Philipp Neri“ hinterlassen (Januar 1850). Die von einem Seligen erstellte Skizze des geistlichen Profils des Heiligen sei dem geneigten Leser für den 500. Geburtstag hier zur Lektüre empfohlen.

S. 30
Nietzsches Prognose – Das „wissenschaftlichen Experiment Mensch“ nach dem „Tode Gottes“

Im 19. Jahrhundert hatte der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel noch geschrieben: „Die Anerkennung der unendlichen Persönlichkeit und die Menschenwürde ist Segensfolge des Christentums gewesen, das den unendlichen Wert jeder Person aufgebracht hat.“ Die Signatur unserer Epoche dagegen ist nicht weniger als der Verlust des Glaubens an Gott und zugleich auch der Achtung vor der unantastbaren Kostbarkeit jedes Menschenlebens, das zuerst am Beginn und nunmehr auch am Ende seiner Lebensbahn auf die Todesliste geraten ist bzw. zu geraten droht.

S. 4
Aufgenommen in den Himmel

Durch seinen Tod hat Christus zwar die Sünde und den Tod überwunden, und wer durch die Taufe zum übernatürlichen Leben wiedergeboren ist, hat durch Christus Sünde und Tod ebenfalls besiegt: aber die volle Auswirkung dieses Sieges will Gott den Gerechten nach einem allgemein geltenden Gesetz erst dann zuteil werden lassen, wenn einmal das Ende der Zeiten gekommen ist. Daher fallen auch die Leiber der Gerechten nach ihrem Tode der Verwesung anheim, und erst am Jüngsten Tage wird der Leib eines jeden mit seiner verherrlichten Seele vereinigt werden. Von diesem allgemein gültigen Gesetz wollte Gott die Allerseligste Jungfrau Maria ausgenommen wissen. Sie hat ja durch ein besonderes Gnadenprivileg, durch ihre Unbefleckte Empfängnis, die Sünde besiegt, war deshalb dem Gesetz der Verwesung des Grabes nicht unterworfen und brauchte auf die Erlösung ihres Leibes nicht bis zum Ende der Zeiten zu warten. (Papst Pius XII.)

S. 4
Innerlichkeit

Die Zeit der Ferien soll der Erholung nicht nur des Leibes, sondern auch des Geistes dienen. Die Ruhe und Entspannung, die mit der Arbeitsruhe verbunden ist, sollte von einem Christen dazu verwendet werden, sein geistiges Leben zu vertiefen.

S. 5
Ein Kardinal wundert sich – Leere Kirchen, volle Kassen

S. Em. Walter Kardinal Brandmüller hat in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ scharfe Kritik am Ducken des deutschen Episkopats vor der „political correctness“ geübt. Die Entwicklung, daß die Gläubigen immer weniger werden und das Geld immer mehr, empfindet der  Kurienkardinal als „absurd“. Die Kirchen leeren sich, und die Kassen füllen sich. Erhalten wird ein sich selbst genügender teurer Apparat, der mit seinem Klappern die Stimme des Evangeliums übertönt. Wir sollten endlich, statt ein ‚Christentum light‘ zu predigen, den Mut aufbringen, ein Kontrastprogramm zum gesellschaftlichen Mainstream von heute zu fordern und vorzuleben. Das christliche Kontrastprogramm zur morbiden Welt der Antike war damals ein Erfolgsprogramm. Es würde auch heute wieder seine Anziehungskraft erweisen.

S. 5
Ein Sandkorn in Gottes Deichbau

Ein Bürgermeister weiht seine Stadt dem Herzen Jesu: Philippe de Beauregard ist Bürgermeister von Camaret-sur-Aigues im Département Vaucluse. Am 12. Juni, dem Herz-Jesu-Fest, hat er seinen 4600-Seelen-Ort dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. In Deutschland scheint so etwas völlig undenkbar. Wenn es auch nur winzige Sandkörner in Gottes Deichbau sind – die Erinnerung an die Taufe Frankreichs existiert dort noch, trotz (oder wegen?) aller subtiler Verfolgung durch die aus der Revolution  hervorgegangene Republik. Gerne wüßten wir, ob wenigstens deutsche Pfarrer ihren Ort dem heiligsten Herzen Jesu weihen … wenn es denn den Bürgermeistern inzwischen nur allzu fremd geworden ist, das zu tun. Wie heilsam wäre doch die Wirkung!

S. 6
Aktuelle Fortschreibung der katholischen Soziallehre?

Schon die erste Lektüre der Enzyklika ließ Befürchtungen aufkommen mit seinen Weltuntergangsbeschreibungen, die auch aus einem Hollywood-Drehbuch stammen könnten. Oder von Al Gore. Es gibt Textteile, die (allerdings recht mühsam und zäh) nach Stil und Inhalt ein Surrogat grüner Öko-Parteiprogramme ist. Diese Texte werden von rein zufälligen und recht sparsamen, mehr oder weniger christlich orientierten Anmerkungen belegt. Und alledem folgt eine nicht sehr geist- und einfallsreiche Moralpredigt: kochen Sie nicht mehr, als Sie essen können, löschen Sie das Licht, vermeiden Sie Plastik, nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel usw. usf.
Das Schlimmste ist eigentlich noch nicht einmal dieser bis zum Überdruß wiederholte, pseudowissenschaftliche, medienpolitisch abgedroschene, drittwelt-ökologische Gutsprech. Das wird in wenigen Monaten ganz sicher vergessen sein. Schlimm ist, daß zum ersten Mal in einem Dokument des kirchlichen Lehramts eine Ehrung Teilhard de Chardins erscheint. Daß derPapst sich in einem Lehrschreiben auf Teilhard bezieht bzw. ihn heranzieht, bedeutet in unseren Augen, daß er von der Evolutionstheorie wie von einem offensichtlichen Faktum spricht, von einer etablierten Wahrheit, die noch nicht einmal mehr definiert werden muß, die auch nicht vorgestellt werden muß. So wie es an anderer Stelle auch schwerwiegend ist, daß auf einen Sufi als „geistlicher Lehrer“ (ohne genauere Bezeichnung) Bezug genommen wird, um uns glauben zu machen, es gebe einen mystischen und völlig franziskanischen Islam.

S. 13
Zeit ohne Licht – Herz und Blut des Erlösers

Der Monat Juni ist in besonderer Weise der Verehrung des hl. Herzens Jesu gewidmet. Natürlich ist es kein Zufall, daß das Fest des hl. Herzens Jesu in engem sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit zwei anderen Festen steht, in denen wir ebenfalls der Liebe Christi und seiner geheimnisvollen Gegenwart mitten unter uns gedenken. Das ist einmal das Fronleichnamsfest, das heute auch nur noch ein Schatten seiner selbst ist, weil bei ihm so oft nicht mehr die Gegenwart des Herrn, sondern die ökumenische Verbrüderung und die Bitten um mehr „Mitmenschlichkeit“ im Vordergrund stehen. Schlimmer noch ist, daß das Fest des Kostbaren Blutes, das am 1. Juli begangen wurde,   von den Buchhaltern, die für die Umgestaltung der Liturgie und die neuen Texte verantwortlich sind, ganz gestrichen worden ist. Der entscheidende Grund ist ebenso einfach wie schrecklich. Wir müssen schon seit Jahrzehnten beobachten, daß die zentrale Wahrheit unserer Erlösung durch Christi Tod am Kreuz, mit der unser Glaube und auch das hl. Meßopfer steht und fällt, immer mehr ausgehöhlt und uminterpretiert wird.

S. 38
Was ist Philosophie?

Was ist Philosophie? Was ist der Mensch? Wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit Problemen der menschlichen Freiheit.

S. 46
Neuevangelisierung – Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht (Teil 32): Ist die rabbinisch-talmudische Lesart des Alten Testaments der christlichen gleichberechtigt?

In den letzten Folgen unserer Serie zu den Schwächen des Katechismus der Katholischen Kirche haben wir detailliert dargelegt, daß Abraham vom geistlichen Aspekt aus betrachtet ausschließlich der Vater der Christen ist und nicht etwa des heutigen Judentums, geschweige denn des Islams. Von „abrahamitischen Religionen“ kann nach der katholischen Doktrin im strengen Sinn nicht gesprochen werden. So gut Bestrebungen bei Christen und Nichtchristen gemeint sein mögen, Übereinstimmungen zwischen den Religionen mit Blick auf eine wenigstens partielle Einheit zu diagnostizieren, so wenig ist ein solcher Weg letztlich gangbar: Weder vom Standpunkt des christlichen Glaubens noch von dem einer soliden (katholisch-theologischen oder auch religionsvergleichenden) Wissenschaft ist dies möglich.