Februar 2015

Titelblatt

S. 18
Papst Franziskus - Verhältnis zur Tradition und zu ihren Verteidigern

In der vorigen Ausgabe der Kirchlichen Umschau (18,1/2015) hat sich Dr. Heinz-Lothar Barth mit Aspekten der Theologie unseres Heiligen Vaters auseinandergesetzt, und zwar vor allem anhand seines Apostolischen Schreibens „Evangelii gaudium“. In diesem Zusammenhang kam er auch auf die Haltung des argentinischen Papstes gegenüber jenen Katholiken zu sprechen, die unverkürzt und unverfälscht an der Tradition der katholischen Kirche festhalten. Diese Beobachtungen führt der Autor an dieser Stelle weiter.

S. 12
„Jesus Christus ist nicht fakultativ“ – Kardinal Pie von Poitiers  und die Wiedererrichtung einer christlichen Gesellschaft

Kardinal Pie war eine der markantesten Gestalten im französischen Episkopat des 19. Jahrhunderts. Nach den Erschütterungen der Revolution und unter wechselnden politischen Regimen suchte der Bischof von Poitiers (†1880) der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Getreu seinem Wahlspruch
„Alles in Christus erneuern“ führte er ebenso die Auseinandersetzung mit dem philosophischen Naturalismus, der die von Christus erschlossene übernatürliche Ordnung negierte, wie den Kampf gegen den katholischen Liberalismus, der die Geltung dieser Ordnung für das öffentlich-gesellschaftliche Leben in Frage stellte und den Glauben auf die Privatsphäre reduzierte.
Zu Beginn des letzten Jahres hat der Trierer Theologieprofessor und Priester Michael Fiedrowicz erstmalig eine Sammlung ausgewählter Texte in deutscher Sprache unter dem Titel „Kardinal Pie von Poitiers – Nachfolger des hl. Hilarius“ vorgelegt. Vor kurzem erschien eine weitere systematisch gegliederte Textauswahl (übernatürliche Ordnung, Kirche, christliche Gesellschaft) aus den Ansprachen und Predigten des Bischofs. Die KU sprach mit dem Herausgeber über die Grundgedanken des neuen Werkes.
Kardinal Pie ist genau die richtige Lektüre für all diejenigen, die sich im ekklesiologischen Paradigmenwechsel hin zu einer „verbeulten Kirche“ nicht recht wiederfinden können und auch „Hirten mit Schafsgeruch“ nicht wirklich vermissen.

S. 34
Warum wir nicht Charlie sind

Die Reaktion auf die grauenvollen und durch nichts zu entschuldigenden Anschläge auf das französische Karikaturen-Magazin war in eigentümlicher Weise widerspruchsvoll. Sie gipfelte in dem allgemeinen und selbst aus dem Munde des Hamburger Weihbischofs Dr. Jaschke zu vernehmenden Ausruf: „Ich bin Charlie Hebdo“. Offen bleibt, ob sich die zahlreiche Prominenz, die zu diesem Akt der Solidarität bereit war, dabei überhaupt etwas gedacht hat. Wenn ja, dann war es das Bekenntnis zur schrankenlosen Freiheit auch der übelsten Religionsbeschimpfung, wie sie in jenem französischen Presseorgan an der Tagesordnung war.

S. 40
Gehört der Islam zu Deutschland? – Was aber gehört zum Islam?

Abdel-Samad, der unter anderem am Erfurter Lehrstuhl für Islamwissenschaft und am Institut für Jüdische Geschichte in München arbeitet, gesteht Merkel zu, daß sie als Kanzlerin aller Menschen, die in Deutschland leben, „selbstverständlich auch die Kanzlerin der Muslime“ sei. Allerdings sei sie nicht befugt, zu behaupten, der Islam gehöre zu Deutschland. Bevor die Bundeskanzlerin solche Behauptungen in die Welt setze, sei sie verpflichtet, den Bürgern in  Deutschland zu erklären, was der Islam sei. Schließlich ergäben sich aus dem Islam selbst relevante Fragen wie „Gehört die Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige auch zu Deutschland? Was ist mit Dschihad? Was ist mit Polygamie? Was ist mit der Todesstrafe für Apostaten? Was ist mit Körperstrafen für Diebe und Ehebrecher und Alkoholtrinker? Was ist mit Frauenrechten, die im Islam kaum vorhanden sind? Was ist mit Sklaverei, die im Islam nicht verboten ist?“ „Entweder wissen Sie (Frau Merkel) nicht, dass all das auch zum Islam gehört, dann sind Sie nicht qualifiziert, dieses Urteil zu fällen. Oder Sie wissen Bescheid und täuschen die Bürger dieses Landes, um weiterhin Saudi-Arabien Panzer zu verkaufen und den türkischen Handelspartner nicht zu verärgern.“
„Frieden entsteht nicht, wenn man die authentischen islamischen Passagen ausblendet, die die Mörder (von Paris) benutzten, um ihre Anschläge zu  legitimieren. Sondern indem man sie beleuchtet und diskutiert.“

S. 4
Theologen

„Wahr ist, daß die Theologen ständig auf die Quellen der göttlichen Offenbarung zurückgreifen sollen; es ist ja ihre Aufgabe, aufzuzeigen, warum das, was das lebendige Lehramt vorbringt, sich in der Heiligen Schrift und in der göttlichen „Überlieferung“ entweder ausdrücklich oder einschließend findet. … Gott (hat) der Kirche zusammen mit diesen heiligen Quellen das lebendige Lehramt schenkte, um auch die Wahrheiten zu erklären und zu entfalten, die im „Depositum fidei“ nur dunkel und gleichsam  eingehüllt enthalten sind. Diesen Glaubensschatz hat der Heiland weder den einzelnen Christgläubigen noch auch den Theologen selbst zur authentischen Erklärung  hinterlassen, sondern allein dem kirchlichen Lehramt. … Unser unvergeßlicher Vorgänger, Pius IX., (fügte) bei der Erklärung, daß es vornehmste Aufgabe der Theologie sei, zu zeigen, wie die von der Kirche feierlich aufgestellte Lehre in den Quellen enthalten sei, nicht ohne wichtigen Grund die Worte hinzu: „in dem gleichen Sinn, wie die Kirche sie definierte“.

S. 4
Zur Fastenzeit

Vergessen wir es nicht: Die Erneuerung der Kirche kann nicht erfolgen, wenn ich mich nicht zuerst erneuere. Nutzen wir die Zeit vor Ostern für eine gute Beichte, für ein häufigeres und intensiveres Gebet, für die regelmäßige Lektüre christlicher Literatur und für den festen (!) Vorsatz, dieses Jahr an mehrtägigen geistlichen Exerzitien teilzunehmen. Das wichtigste Opfer, das ein Katholik heute dem lieben Gott bringen sollte, ist seine Zeit.

S. 5
Erinnerung in der Schwalbenfestung

Vor 100 Jahren, am 24. April 1915, ließ die jungtürkische Regierung fast die gesamte christlich-armenische Oberschicht in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, verhaften und in entlegene Gebiete deportieren. Die über 2000 armenischen Politiker, Künstler, Journalisten und Unternehmer wurden später ermordet. In den folgenden Monaten trieben türkische Sicherheitsorgane fast alle Armenier des Osmanischen Reiches in Konzentrationslagern zusammen. Bis zu einer Million Menschen starben nach Schätzung der deutschen Botschaft in Konstantinopel auf den Todesmärschen, Bis in die 20er Jahre kam es immer wieder zu Morden. Insgesamt wurden bis 1922 etwa 1,5 der zwei Millionen türkischen Armenier, dazu hunderttausende aramäisch- und griechischsprachige Christen ermordet. Der 24. April wird regelmäßig als Gedenktag an den Völkermord begangen und ist einer der wichtigsten nationalen Feiertage des armenischen Volkes. An diesem Tag pilgern alljährlich Hunderttausende zum Völkermordmahnmal auf dem Hügel Zizernakaberd („Schwalbenfestung“) in der armenischen Hauptstadt Jerewan.

S. 6
Italien – Zusammenlegung von Bistümern

Der Vatikan hat für die Zukunft eine kleinere Zahl von Bistümern für Italien vorgesehen. Derzeit verteilen sich die 58 Millionen Katholiken in Italien auf 226 Bistümer. (Im Vergleich: Deutschland 27 Bistümer, Österreich 9, Schweiz 6). Im Konkordat zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl von 1984 wird als Ziel eine Reduzierung auf 113 genannt.

S. 6
Dramatische Situation – Katholiken in Syrien

Die Situation in der syrischen Millionenstadt Aleppo ist dramatisch. Die zweitgrößte Stadt Syriens ist seit 2012 umkämpft. Ein großer Teil der Bevölkerung ist geflohen. Dieses einstmalige Zentrum christlichen Lebens ist ein Friedhof.

S. 7
(Befremdliche) Änderung in der Verleihung des Palliums

Jedes Jahr am Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus empfangen die neuernannten Erzbischöfe, die den Kirchenprovinzen in aller Welt vorstehen, aus den Händen des Papstes ein ganz besonderes Würdezeichen: das Pallium. Der Heilige Vater änderte nun das Verfahren zur Verleihung des Palliums. Künftig wird er es den neuen Vorstehern einer Kirchenprovinz nicht mehr persönlich auflegen, sondern nur noch überreichen. Die eigentliche Auferlegung soll in den Erzbistümern durch den jeweiligen Apostolischen Nuntius erfolgen.

S. 7
Lateinische Infos über das vatikanische Gendarmeriekorps

Über die Geschichte und die Aufgaben des Gendarmeriekorps des Vatikanstaates können sich Lateinliebhaber nun auch in der Sprache der alten Römer informieren.

S. 7
Wo der I. Weltkrieg begann

Papst Franziskus reist am 6. Juni nach Bosnien-Herzegowina. Der Kurzbesuch in der Stadt Sarajevo wird an den Ausbruch des I. Weltkrieges erinnern, der hier durch das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin im Jahr 1914 ausgelöst wurde.

S. 8
Litauen: Verteidigung der Familie

Papst Franziskus hat die Bischöfe Litauens zur Verteidigung der Familie aufgerufen. Als Mitglied der EU sei das Land einem „ideologischen Einfluß“ ausgesetzt, der die herkömmlichen Familienstrukturen destabilisiere, sagte der Pontifex den sieben zu ihrem Ad-limina-Besuch nach Rom gekommenen Oberhirten der Martyrerkirche.

S. 10
Was ich kardinal Kasper noch sagen wollte

Am Dienstag, dem 27. Januar dieses Jahres, fand im Erbacher Hof in Mainz ein Vortrag von Kardinal Kasper statt zu dem Thema: „Barmherzigkeit – Schlüssel christlicher Lebenspraxis“. Ein Bericht eines Teilnehmers.

S. 46
Was ist Philosophie?

Mensch? Wozu ist er da? Die KU setzt hier eine Artikelreihe fort, die den interessierten Leser an die großen Fragen des philosophischen Denkens heranführen will. Die Autorin ist eine Ordensfrau aus dem Dominikanerorden, die ungenannt bleibt. In dieser Ausgabe beschäftigt sie sich mit Aristoteles
und der Suche nach dem Glück.

S. 50
„Nicht beten wir die Sonne an...“ – Der hl. Schâhdôst

Im Jahr 226 gründete die Dynastie der Sassaniden das neupersische Großreich, das bald in Konkurrenz zum römischen Imperium trat. Die Sassaniden führten die alte Staatsreligion wieder ein und beteten die Sonne und das Feuer an. Bald wurden die persischen Christen, die aufgrund der Christianisierung des Römischen Reiches seit Konstantin dem Großen als Parteigänger des Rivalen Rom vermutet wurden, verfolgt. …

S. 52
Neuevangelisierung – Warum der Konzilskatechismus nicht hält, was er verspricht (Teil 31)

Dr. Heinz-Lothar Barth kommt in seiner Artikelreihe noch einmal auf das von Kardinal Willebrands verantwortete „Dokument der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum im Sekretariat für die Förderung der Einheit der Christen“ aus dem Jahr 1985 zurück. Jener durch die höchste kirchliche Autorität, nämlich Papst Johannes Paul II., abgesegnete Text enthält u. a. folgende besonders schockierende Sätze: „Die Evangelien sind das Ergebnis eines langen und  komplizierten Redaktionsprozesses ... Gewisse Polemiken spiegeln Bedingungen wider, unter denen die Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr lange nach Jesus bestanden.“
Im Klartext heißt das: Bestimmte Worte und Daten, die das Verhältnis Jesu zum damaligen Judentum, bestimmte, wurden erst später von den Christen erdichtet!
Diese Behauptung stellte man offenbar auf, um so für den christlich-jüdischen Dialog jenen biblischen Passagen ihre historische Schärfe zu nehmen und sie damit in ihrer Aussagekraft abzuwerten, da sie ja nun nicht mehr auf Christus selbst zurückgeführt werden müßten.